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Helft mir, dass ich mit meinen Freunden in die Schule gehen darf!

Ich wurde mit «Trisomie 21», auch bekannt als «Down-Syndrom», geboren, ich heisse Jerome und bin 1o Jahre. Vor meiner Geburt hatten meine Eltern davon keine Kenntnis und selbst wenn sie davon gewusst hätten, hätten sie sich klar für mich «entschieden» und einer möglichen Abtreibung eine Absage erteilt. Leider werden heute in der Schweiz ca. neun von zehn ähnlich gelagerten Fällen abgetrieben.

Ich bin am Wohnort gut integriert, gehe in die Jungschar, habe am Sommer-Zeltlager teilgenommen und treffe mich mit meinen Freunden zum Spielen, wie dies «normale Kinder» auch tun. Alles ohne Hilfe von meinen Eltern. Mit guter Lernmotivation durfte ich bisher in die normale Primarschule. Die Fachleute nennen das den «inklusive Weg». Ich möcht das für mich so machen. Die Experten in Aarau sehen das genauso. Sie nennen das «Schule für alle», denn jemand so wie ich wird dort «integrativ» beschult. Nach einem Lehrerwechsel wurde ich im Sommer 2o19 der Sonderschule zugewiesen. Denn die Leute sagten «Das geht doch nicht». Sie haben mich aus der Schule ausgeschlossen. Sie wollen nicht reden. Damit ich wieder mit meinen Freunden in die gleiche Klasse gehen kann, muss ich nun «den Rechtsweg» gehen. Das kostet wahnsinnig viel Geld.

Das passiert leider auch vielen anderen Kindern mit «besonderen» Bedürfnissen. Viele Lehrer mögen keine «Sonderfälle» in ihrer Klasse. In der Sonderschule habe ich es nicht lange ausgehalten. Nach kurzer Zeit hatte ich psychosomatische Beschwerden und wurde für viele Monate krankgeschrieben. Meine Eltern haben mich dann zu Hause «beschult». Wie schwierig das ist, wissen ja mittlerweile die Meisten (Covid19).

Ich selbst sehe mich als «normales Kind». Ich bin mir über meine «Einzigartigkeit» durchaus bewusst. Der inklusive Weg ist «mein grösster Wunsch», den ich gerne gehen möchte. Für mich ist es am wichtigsten zu lernen, wie ich mich in der «normalen Welt» später alleine zu Recht finde. Und meine Klassenkameraden profitieren auch im sozialen und emotionalen Bereich.

Ich vermisse den gemeinsamen Schulalltag und das Lernen in der Regelschule mit meinem Klassengspändli sehr und es stimmt mich sehr traurig, dass ich daran nicht teilnehmen darf.

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Das Besondere an unserem Projekt

Wir als Eltern wollen mit diesem Spendenaufruf die Gesellschaft wachrütteln, denn wir sind nicht die einzige Familie mit einem «besonderen» Kind, welche diese Erfahrung in unserem Land widerfährt!

Es geht jetzt um den «Laufbahnentscheid» unseres Kindes, welcher über die weitere schulische-, berufliche Ausbildung und für seine sich daraus ergebende Lebenssituation wegweisend sein wird. Dabei sagen uns die Vertreter der Wirtschaft: Ja – ein Mensch mit Down-Syndrom kann ganz normal arbeiten, als Gärtner, Logistiker, Tierpfleger, in der Altenpflege oder in der Gastronomie. Aber das geht nur, wenn eine inklusive Schullaufbahn durchlaufen wurde.

Wir Eltern haben sein Wohl im Blick und kämpfen seit Herbst 2o19 für sein Recht einer integrativen Beschulung im öffentlichen Recht. Für die Beschulung von Kindern mit einer Behinderung gilt der Rechtsgrundsatz, dass die Förderung in der Regelschule derjenigen in der Sonderschule vorzuziehen ist, wenn sie für das Wohl und die Entwicklung des Kindes förderlich erscheint. Wir wollen keinen Sonderweg, sondern die Einhaltung der Schweizer Verfassung und der Aargauer Schulgesetze. Obwohl die fachlichen Abklärungen seine schulische Integration empfehlen, geht es leider ohne Hilfe eines Anwaltes nicht und hat uns an unsere finanziellen Grenzen gebracht.

Wir sehen die riesengrosse Freude, wenn er mit seinen ehemaligen Klassenfreunden zusammenspielt und wir erleben seine Traurigkeit, wenn er am Fenster steht, ihnen nachsieht, wie sie ohne ihn zur Primarschule laufen. Wenn er uns mit Tränen in den Augen erzählt, wie sehr er den gemeinsamen Schulalltag und das Lernen mit ihnen vermisst, berührt dies unser Herz zu tiefst, auch, weil wir wissen, dass seine Klassenkameraden ihn dann auch vermissen.

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Dafür brauche ich Unterstützung

Zitat von Prof. Dr. Eric Scherer, Präsident der Vereins Inklusion Aargau: «Schule für alle ist ein Rechtgrundsatz. Die sogenannte ’Inklusive Schule’ basiert auf dem in der Schweizer Bundesverfassung festgelegten Gleichheitsprinzip. In den Gesetzen und Verordnungen des Kantons Aargau ist der inklusive Weg als der bevorzugte Weg vorgesehen. Das es um die Inklusion in der Schweiz und ganz besonders im Kanton Aargau so schlecht steht, liegt also nicht an den gesetzlichen Grundlagen. Auch bei den Erziehungswissenschaftlern und Pädagogen ist mittlerweile klar, dass der Besuch der Regelschule für fast alle Kinder, insbesondere Kinder mit Down-Syndrom, der Königsweg ist. Dazu gibt es unzählige Studien und gerade jene Länder, die in der PISA-Studie die ersten Plätze belegen, sind ganz klar ’inklusiv’. Aber auch die meisten Mediziner raten dazu. Die Regelschule ist gerade für Kinder mit Down-Syndrom ein ’gesunder’ Weg. Leider scheitert die Inklusion aber an der Engstirnigkeit der lokalen Entscheidungsträger wie der Schulpflege und vielen Lehrpersonen, die alle ’Problemkinder’ am liebsten abschieben. Im Kanton Aargau ist die Situation daher sehr schwer. Hier werden systematisch Kindern ihre verfassungsmässigen Rechte vorenthalten und diskriminiert. Leider ist der einzige Ausweg meistens der Rechtsweg. Im Durchschnitt müssen Eltern für ein ganzes ’Schülerleben’ mit 40’ bis 50’000 Franken für Rechtsanwaltskosten rechnen. Eine weitere Diskriminierung, dass sich nur wenige Eltern leisten können.» (Zitat Ende)

Die eingenommenen Spenden werden wir vollumfänglich für die Kosten seines juristischen Verfahrens verwenden. Herzlichen Dank im Voraus für Ihre Unterstützung!

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