Musik und Lyrik von Roma, Sinti und Jenischen – 75 Jahre danach

Am Samstag, 12. September, findet im Kreuzgang des Grossmünsters in Zürich ein einmaliger musikalischer Anlass statt: Die Roma-Musikgruppe «Ssassa» spielt zusammen mit Violinist Markus Reinhardt, Grossneffe von Django Reinhardt, und Sinto-Gitarrist Rudi Rumstajn aus Köln. Zu den auftretenden Künstlern gehören zudem die bulgarische Romni-Sängerin Meryem Anachkovka und das 14-jährige jenische Nachwuchstalent Cheyenne sowie für die begleitende Lyrik-Lesung der Theaterschaffende Federico Pfaffen. Die Veranstaltung steht im Zeichen des Gedenkens an das Kriegsende, die Opfer und an die Roma und Sinti, die vor 75 Jahren aus den Konzentrationslagern befreit wurden.

Die Band «Ssassa» und ihre Roma-Musik in der Schweiz stehen als interkulturelles Projekt seit Jahren unter dem Patronat der UNESCO. Dieses Jahr veranstaltet «Ssassa» zusammen mit den Sinti-Musikern Markus Reinhardt und Rudi Rumstajn aus Köln einen besonderen Konzertnachmittag am 12. September im Kreuzgang des Grossmünsters Zürich. Das Ereignis steht im Zeichen der 75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz und im Gedenken an die Roma- und Sinti-Opfer im Nationalsozialismus.

Im Zeichen der Versöhnung und der Lebensfreude

Ein ernster Kontext – und drei Stunden mitreissende Musik und Lebensfreude. Der Anlass «75 Rosen», der aus drei einstündigen Veranstaltungen besteht, basiert auf einem faszinierenden Konzept: Die Roma-Formation «Ssassa» aus der Schweiz trifft in Zürich auf den virtuosen Sinto-Geiger Markus Reinhardt und einen seiner Gitarristen aus Köln.

Vor 75 Jahren kehrte der Grossvater des Violinisten Markus Reinhardt mit weiteren überlebenden Familienmitgliedern zu Fuss von Auschwitz nach Köln zurück. Für Markus Reinhardt, Grossneffe von Django Reinhardt, ein Grund, das Überleben musizierend und versöhnend zu feiern. Und dies, ohne eine Opferrolle zu zelebrieren, sondern im Sinne des Weiterlebens der eigenen Kultur und des eigenen Musiklebens.

Diese Haltung wird von der Musikgruppe «Ssassa», geleitet von Christian Fotsch, geteilt. Ein Teil ihrer Roma-Musiker, so der brillante Trompeter Denis Zekirov, hat ebenfalls Familienmitglieder in der nationalsozialistischen Zeit verloren. Dass das Gedenken an Roma- und Sinti-Opfer dieses Jahr, 75 Jahre nach der Befreiung, kaum ein grosses mediales Ereignis ist, hält «Ssassa» und Markus Reinhardt nicht davon ab, selber und gemeinsam sechs Wochen nach dem primär virtuell begangenen Europäischen Roma- und Sinti-Holocaust-Gedenktag eine ausserordentliche Feier zu veranstalten: einen einzigartigen Konzertnachmittag in Zürich. Und dies für ein gemischtes Publikum, Musikliebhaber in Zürich und der weiteren Umgebung, aber auch für Roma, Sinti und Jenische. Der Kreuzgang des Grossmünsters ist ein sinnträchtiger und auch im Zusammenhang mit Covid-19 ein idealer Ort für das Konzert und die Lesung.

Ein grosser Roma- und Sinti-Musikfäche

«Zigeuner-Musiker» können bekanntlich alles spielen. «Ssassa», Markus Reinhardt, Rudi Rumstajn und die 14-jährige jenische Sängerin Cheyenne aus der Schweiz erfüllen dieses Klischee auf fulminante Weise. Die Roma-Tradition seiner Musiker aus Nordmazedonien, Serbien und der Türkei wird vom «Ssassa»-Leiter, dem Schweizer Musiker Christian Fotsch, mit Sensibilität gepflegt und schwungvoll zu neuen Klängen geführt. Die charismatische bulgarische Romni- Sängerin Meryem Anachkova ist ein perfekt ergänzender Gast von «Ssassa» mit ihrem Gipsy Groove, Tonfolgen aus dem Orient und Balkan-Rhythmen. Markus Reinhardts Geige kommt aus einer ganz anderen Region und ist unter anderem einem eigenen Sinti-Jazz verschrieben – in der Konzertfolge spontan abgelöst von einem traditionellen Roma-Lied oder einem Walzer, den ein Mithäftling von Markus Reinhardts Grossvater im Lager im Auftrag der Nazis zu komponieren hatte. Sprühende Lebensfreude und Melancholie sind ein Geschwisterpaar im Zusammenspiel dieser zum ersten Mal vereint auftretenden Roma- und Sinti-Musikkünstler aus sieben Ländern. Zur Musik auch die Lyrik

«75 Rosen» bietet den Besuchern zudem eine lyrische Lesung: Gedichte und poetische Prosa von Roma, Sinti und Jenischen. Zum Auftakt der Feier lesen Federico Pfaffen, Theaterschaffender und Gründer des Zürcher Salon Theaters «Herzbaracke», und Rudi Rumstajn, Sinto aus Kroatien. Die Lesung mit Musik basiert auf einer Ausgabe der Schweizer Literaturzeitschrift «orte» mit dem Titel «Auf der Milchstrasse fahren wir davon» – dies eine Zeile aus dem Gedicht «Traum» des vor zwei Jahren verstorbenen Roma-Dichters Kujtim Paçaku aus dem Kosovo. Eine Zeile, die programmatisch ist für «75 Rosen»: Bewegung, Vergangenheit und Reise in die Zukunft.

Der Ablauf des Konzertnachmittags orientiert sich an Covid-19-Schutzmassnahmen: Es wird in drei einstündigen Veranstaltungen mit jeweiliger längerer Pause und konsequentem Publikumswechsel (kein gruppenweises Herumstehen vor und nach den Konzerten) vom frühen Nachmittag bis in den frühen Abend musiziert und gelesen. An jeder der drei Aufführungen sind maximal 70 Besucherinnen und Besucher im Kreuzgang und somit in nicht geschlossenem Raum zugelassen. Das Grossmünster und Blumenbinder unterstützen das Projekt als Gastgeber und mit 75 Rosen, der Kanton Zürich und Migros Kulturprozent sind die Sponsoren von «75 Rosen».

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9 KünstlerInnen - für 70 Publikum

Uns ist es ein grosses Anliegen, ein optimales Covid-Sicherheitskonzept einzuhalten. Darum findet das Konzert draussen statt, im schönen Rahmen des Grossmünster Kreuzgangs. Trotz SponsorInnen-Beiträge sind wir angewiesen auf dieses Crowdfunding, damit für so viele KünstlerInnen eine angemessene Gage bezahlt werden kann - danke ;-)

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Gagen und Reisespesen für 9 KünstlerInnen

Wir danken herzlich für eine finanzielle Unterstütung, dass wir die Reise- und Hotelspesen bezahlen können für Markus Reinhardt und Rudi Rumstain, sowie Gagen für die weiteren 7 KünstlerInnen.