Liquid Walls of Sound!

Station Rose, lautet unsere Behauptung, waren ihrer Zeit oft so weit voraus, dass man ihr konsequent digital-artifizielles, avantgardistisches, seit den 80er Jahren Schicht um Schicht aufgetürmtes Kunstuniversum erst jetzt in seiner Gesamtheit erkennt. Und zu würdigen weiß.

Als Musiklabel interessieren uns zuvorderst die Tonspuren der polymorphen SR-Inszenierung. Und die haben es in sich: hier verschränken sich die Mod- und Beat-Vergangenheit des Gitarristen Gary Danner mit Krautrock, Dub und Techno. Vermengt mit den psychedelischen Bildern und Videos von Elisa Rose ergibt das ein Gesamtkunstwerk von kühler, postpostbarocker, digitaler Pracht.

Kann man derlei auf einem analogen Tonträger - einer Schallplatte - festhalten? Man kann. Und man kann ihn radikal innovativ mit der digitalen Hemisphäre verknüpfen. Wie? Mittels Augmented Reality (man google nach «Artivive» bzw. lade sich gleich die App herunter); der aktuelle Station Rose-Katalog, erschienen bei De Gruyter, illustriert das wunderbar.

Wer steckt hinter STATION ROSE?

Station Rose (STR) ist ein Künstlerduo und zugleich ein «Art in Progress»-Projekt. Es wurde 1988 von Elisa Rose (Art/Visuals/Concept, geb. 1959 in Linz) & Gary Danner (Sounds/Concept; geb. 1959 in Linz) - nachdem beide die Universität für Angewandte Kunst in Wien absolviert hatten - als öffentliches Multimedialabor gegründet. Als eines der ersten derartigen Projekte weltweit nutzten Station Rose das Potential der Digitaltechnik - vornehmlich in den Bereichen Musik, Bild, Bewegtbild und Multimedia - und des Internets. Ihr Lebens- und Wirkungsraum war ab der Stunde Null (1991) der Cyberspace, sie gelten als «Pioniere» (FAZ) der digitalen Hemisphäre. 1992 starteten in Frankfurt mit den «Gunafa Clubbings» die international beachteten ersten AV- und Online-Clubprojekte. Gary Danners musikalische Karriere umspannt vier Jahrzehnte und geht bis zur Beat-/Punkband The Vogue («The Frozen Seas of Io») zurück, in der er von 1979 bis 1981 Mitglied war. 1995 Prix Ars Electronica Honorary Mention.

Content

100 Kunstwerke aus Vinyl, Ton, Bild & Video Content

Lässt sich Avantgarde in Pop transformieren und vice versa? Hier ist eine gültige Antwort auf die Frage ein Imperativ. Es gilt, Station Rose zumindest partiell aus ihrem vordergründig unüberblickbaren, artifiziellen Multiversum zu befreien und etwa die «Deepness» und Originalität der Musik Gary Danners - die freilich im Kontext der Bildsprache Elisa Roses am stärksten zur Geltung kommt (auch live übrigens!) - einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Das geplante Album («Liquid Walls of Sound») mit zehn ausgewählten neuen Stücken funktioniert allein für sich als Audio-Erlebnis, als Hörabenteuer, als Ambient-Pop-Techno-Album. Zugleich kommt das - im Kunstbereich gängige - Prinzip der limitierten, personalisierten (und damit im Vergleich zu «normalen» Tonträgern relativ teuren) Edition zum Tragen: es wird nur 100 Exemplare der «Liquid Walls of Sound»-LP geben, in spezieller Verpackung und mit je zehn beiliegenden Kunstdrucken, die ihrerseits Videos im Internet triggern. Und via Web TV, Laptop, Tablet oder Smartphone betrachtet werden können.

Ein retrofuturistisches Gesamtkunstwerk - nicht weniger als das. Neu an diesem Tonträger, welcher seit Gründung ca. die 30. SR-Produktion sein wird, ist, dass Danner wieder verstärkt auf analoge Instrumente wie Gitarre und E-Bass setzt. Mit diesen Instrumenten begann seine musikalische Laufbahn, die nach der Phase mit The Vogue (Top Ten Hit mit «The Frozen Seas of Io», 1981) und seiner Band Die Nervösen Vögel («Austria´s best underground band», John Peel) ab 1986 strikt elektronisch geprägt war.