Ein musik-theatralisches Tromp D’oeil

Das berühmte Sängerpaar KISS N’ HUG wird heute Abend ihre neue Single präsentieren. Der Song soll in einer exklusiven Vorpremiere von den Stars höchstpersönlich performt werden und in naher Zukunft als Schweizer Beitrag beim EUROVISION SONG CONTEST kandidieren. Es ist absolute Geheimhaltung geboten. Während sich KISS N’ HUG auf den Auftritt vorbereiten und sich dabei immer wieder per Videochat aus ihrer Luxusgarderobe melden, erzählen Martha und Kurt, als Assistenten der Stars, und Maikel, ihr Pianist, auf der Bühne von der Entstehung des Songs. Um dem Phänomen KISS N’ HUG gerecht zu werden, müssen sie weit ausholen: Von der Kindergartenzeit bis in die Gegenwart stellen sie Szenen nach, dokumentieren die Genialität der zwei Ausnahmetalente, sprechen von Erfolgen und Rückschlägen und singen die Songs, die die beiden beeinflusst und zu dem gemacht haben, was sie jetzt sind. Erst am Schluss treten KISS N’ HUG real auf und präsentieren ihren neuen Hit.

Besetzung:

Martina Hug: Gesang, Spiel Michael Dolić: Gesang, Keyboard, Spiel Krishan Krone: Gesang, Gitarre, Spiel

Regie: Krishan Krone Oeil Exterieur: Sophie Stierle Stückentwicklung: Krishan Krone und Ensemble Komposition Schlusssong: Pascal Nater Weitere Kompositionen: Michael Dolić Kostüm: Annina Schmid / Nadja Lussi Maske: Annina Schmid Dramaturgie: Hannes Glarner Licht, Technik & Bühne: nn Video: Demian Spescha / Nicola Spescha Bühnebauten: Beni Küng Bühnenbildmodell: Oliver Meier Graphik: Edgar Zanoni Produktionsleitung: Sophie Stierle / Martina Hug / Krishan Krone Produktion: The Lucky Artist Company, Zürich Aufführungen: Di. 22. Oktober 19 Premiere Zürich, Keller 62 Mi. 23. bis Sa. 26. Okt. 4 Vorstellungen Keller 62, Zürich

Di. 05. Nov 2019 Premiere Chur, Klibühni, Das Theater Mi.06. bis So. 10. Nov 2019: 5 Vorstellungen in der Klibühni, Chur

Fr. 20. Dezember Premiere Bern, Visavis Sa. 21. bis 31. Dez 2019 5 Vorstellungen im Visavis, Bern

Das Besondere an meinem Projekt

KISS N’ HUG. Diese sollen als fiktive Figuren über den ganzen Abend hinweg mit Inhalten wie Genialität, Vulnerabiltät und ungefilterter Emotionalität zu Projektionsfiguren aufgeladen werden. Die Zuschauer*innen lernen sie zuerst als digitale Profile kennen. Erst in der Präsentation des Schlusssongs kommt es zur Eins-Zu-Eins-Begegnung im Theater.

Wir wollen die digitale Kommunikation als Megatrend der Neuzeit nicht als Ganzes thematisieren. Es geht uns um den Teilaspekt der «Digitalen Persona». Was hat es mit diesem menschlichen Bedürfnis auf sich und wo ensteht diese Lust, sich «aufzuträumen», sich im Internet künstliche Profile zu erschaffen, mit denen man das eigene Leben dokumentiert, veröffentlicht, verändert und/oder vergrössert? Die Erfindung neuer Identitäten innerhalb des Netzes ist ein durchaus lustvoller und kreativer Vorgang und macht nicht nur für die Bewerbung und Veröffentlichung eigener Tätigkeiten einen Sinn. Was aber, wenn der Widerspruch zwischen realem- und digitalem Ich zu gross wird? Oder sich der Kreator mehr und mehr mit seiner Kreation identifiziert? Und was, wenn das wirkliche Selbst vom künstlichen ausgesogen wird und nicht mehr die Kraft und die Zeit hat, das künstliche Ich zu pflegen? Was, wenn die Likes seltener werden? Fällt die digitale Persona dann in sich zusammen oder bläht sie sich bis zur Unkenntlichkeit auf? Bleibt dann nur noch der Rückzug aus dem Netz? Oder kann auch diese Entwicklung Teil der «digitalen Biografie» werden und im besten Fall ein Mahnmal für die Nachwelt?

Uns scheint, dass das Theater prädestiniert ist, dieses Spiel der Identitäten auf einer ganz realen Ebene zu thematisieren. Vorzugeben, jemand anderer zu sein, ist der Stoff, aus dem Komödien gewoben werden. Nicht unähnlich Heinrich von Kleists Amphitryon haben wir einerseits die Ebene der Adligen und andererseits die der Diener: Amphitryon und Alkmene fallen durch die egoistische Einwirkung der Götter in Abgründe von Eifersucht, Zweifel und Hin-und-Hergerissenheit und zerbrechen fast daran. Amphitryons Diener Sosias und seine Frau kämpfen zwar mit dem gleichen Problem der verdoppelten Identität. Aber wie Clowns stolpern sie, streiten, schreien, leiden sie … und stehen wieder auf. KISS N’ HUG empfinden ihr eigenes Leben in allen Facetten immer als hundertprozentig tragisch, deprimierend oder dann wieder hundertprozentig erfüllt, glücklich und hoffnungsvoll. Martha und Kurt - diese modernen Diener - besitzen die Fähigkeit, zu relativieren. Ein Schicksalsschlag haut sie nicht um, weil sie Vergleiche ziehen können. Aber genauso begegnen sie auch dem Glück mit Skepsis. Sie haben Zugang zum Humor: Sie können die Tragik mitempfinden und sehen trotzdem die ironische Dimension. «THE MAKING OF…» soll durch diese Bivalenz der Figurenebenen Erlebnisflächen für Komödie und Tragödie öffnen.

«THE MAKING OF…» ist ein Stück über das Sich-Selber-Bauen, über die Ausschmückung und Vergrösserung des eigenen Sellbstbildes. Martha und Kurt geben vor, die Assistenten von KISS N’ HUG zu sein, sind aber in Wahrheit ihre Schöpfer. Man kann davon ausgehen, dass die beiden eine lange Künstlerkarriere hinter sich haben. Mit Ups and Downs, Enttäuschungen und Erfolgen. Trotzdem müssen sie sich immer wieder von Neuem präsentieren, sich erklären und ihre Existenz als Künstler rechtfertigen. Auch nach Jahren im Job gibt es keinerlei Sicherheiten. Als die Stars KISS N’ HUG aber dürfen sie fast alles: Rücksichtslos subjektiv sein! Ihre Launen ausleben! Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt sein! Sie dürfen ihre Verletzlichkeit zeigen und so angreifbar und dadurch zutiefst menschlich werden. Vielleicht ist das ja eine der eigentlichen Leistungen berühmter Stars: für uns Sterbliche Projektionsfläche unserer ungefilterten Gefühle zu werden und unsere Seele für Augenblicke zu befreien.

«THE MAKING OF…» spielt mit dem Thema der Fake facts, der «alternate realities». Der grosse Unterschied zwischen einer erfundenen Geschichte und einer Lüge scheint uns indessen darin zu liegen, dass Geschichten nicht den Zweck verfolgen, die Menschen für dumm zu verkaufen, sondern in ihnen die Lust wecken, der Story freiwillig zu folgen: mit Neugier, Ironie, Lachen und ruhig auch mal mit Ergriffenheit. In diesem Sinn wünschen wir uns, dass der lange angekündigte Schlusssong «Regenbogen. Auf einmal» die Zuschauer wirklich zu berühren vermag.

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Dafür brauche ich Unterstützung

Wir arbeiten nun schon seit über einem Jahr an dem Projekt und leider ist unser Hauptsponsor abgesprungen! Und da wir bei der Qualität unserer Produktion keine Abstriche machen, sind wir nun auf eure regenbogenfarbenen Geldscheine angewiesen! Die Unterstützung benötigen wir insbesondere für unsere Gagen während der Produktion, aber auch für zahlreichen Reisespesen, Kostüme, Videodrehs und die Proben- und Entwicklungsarbeit. Hier schon mal ein grosses Dankeschön!

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