Aktuelle Situation in Bosnien

Sie nennen es das Game. Die Regeln dieses Spiels sind einfach aber hart: Du startest einige Kilometer vor der kroatischen Grenze, die es zu überqueren gilt. Durch den Wald, über Flüsse und an Minenfeldern vorbei. Wirst du erwischt, droht Gewalt. Und du verlierst alles. Sie nehmen dir dein Handy, deine Kleider, ja gar deine Schuhe. Sie bringen dich wieder auf die andere Seite der Grenze und du beginnst von vorne. Wieso du das machst? Du willst für dich und deine Familie ein besseres Leben. Und deshalb gibt es für dich nur ein Ziel: Europa.

Du träumst von einem Job in Paris, Berlin oder Rom, bei dem du genug verdienst, um deine Familie in Syrien, Marokko, Nigeria, oder Bangladesch zu unterstützen. Und für diesen Traum lohnt es sich alles zu riskieren. Auch dein Leben. Doch das Game der bosnischen Wälder gewinnen nur wenige. Und auch du verlierst, immer und immer wieder. Ein Zurück gibt es nicht Denn die meisten wollen ihrer Familie und ihren Freund*innen nicht sagen, in welcher Lage sie sich befinden. Auch du nicht. Aus Scham.

In dieser Situation befinden sich tausende Flüchtende in Bosnien. Seit Ungarn die Grenzen geschlossen hat, nutzen Migrant*innen die «Neue Balkanroute», um nach Kroatien und von dort aus weiter nach Westeuropa zu kommen. An der EU-Aussengrenze zwischen Kroatien und Bosnien sind illegale Push-Backs an der Tagesordnung: Das Borderline Violence Monitoring Network hat allein im Oktober 2020 mindestens 200 verboteneRückschaffungenaus Kroatien zurück nach Bosnien dokumentiert. Nach EU-Vorschriften hätten diese Menschen das Recht, einen Asylantrag zu stellen sobald sie auf kroatischem Boden stehen.

Jetzt, im Winter verschlimmert sich ihre Situation noch zusätzlich. Minustemperaturen, Schnee und Eiseskälte führen zu untragbaren Verhältnissen. Die meisten wohnen in notdürftigen Zelten im Wald und verwahrlosten Häusern oder Fabriken. Die wenigen Camps, die es gibt, sind überfüllt und können kaum bessere Bedingungen gewährleisten.

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Was wollen wir dagegen tun?

Flüchtende zu unterstützen wird in ganz Europa kriminalisiert. In den letzten Monaten wurde die Coronakrise als Ausrede benutzt, um diese absurden Regelungen noch weiter zu verschärfen. In Bosnien ist es verboten, Flüchtenden Essen zu geben. Es ist verboten, ihnen Kleider zu geben. Es ist verboten, ihnen medizinische Hilfe bereitzustellen. Dennoch gibt es Menschen, die da sind, die essentielle, humanitäre Arbeit leisten, da, wo sie am meisten gebraucht wird. Da, wo sich die europäische Politik weigert, hinzuschauen.

Diese Gruppen sammeln Spenden, verteilen Kleider, kochen Essen und versorgen Wunden. Sie geben den Menschen das Gefühl, dass es Leute gibt, die es interessiert, ob sie überleben, wie es ihnen geht, was ihre Wünsche sind. Die meisten dieser Projekte und Gruppen sind in Velika Kladuša, Bihac oder Sarajevo, also direkt an der kroatischen Grenze. Da, wo die Flüchtenden sind, die vom Game zurückkommen.

Im Februar und März 2021 möchten wir uns diesen Gruppen anschliessen, Freiwillige ersetzen, die abreisen müssen und all die Menschen, die an ihre emotionalen, physischen, aber auch finanziellen Grenzen stossen, in ihrer Arbeit unterstützen. Wir haben gesehen, dass wir in Bosnien gebraucht werden, dass dort Menschen sind, die wir unterstützen können, und wir möchten nicht wieder wegsehen.

Dazu brauchen wir eure Hilfe!

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Wer sind wir?

Wir sind eine Gruppe von Menschen mit verschiedenen Hintergründen. Kennengelernt haben wir uns an verschiedenen Anlässen, bei welchen wir für hunderte, manchmal sogar tausende von Menschen gekocht haben.

Was uns zudem verbindet, ist das Unverständnis über die Ungerechtigkeiten unseres Systems, das Bedürfnis, etwas dagegen zu tun, und das Privileg, uns ein bis zwei Monate Zeit zu nehmen, um diesem Bedürfnis nachzugehen. Uns ist dabei wichtig, dass wir nicht mit den Institutionen zusammenarbeiten, die für die Repression verantwortlich sind, sondern dass wir auf der Seite der Menschen stehen. Legitimität ist uns wichtiger als Legalität.

Wir arbeiten mit bereits bestehenden Projekten zusammen, um möglichst nachhaltige Arbeit zu leisten. Ebenfalls ein Anliegen ist uns, den Graben zwischen den Flüchtenden und der lokalen Bevölkerung nicht noch zu vertiefen, sondern wenn möglich zu verringern. Wir sind uns bewusst, dass unser Alltag in Bosnien emotional und psychisch sehr belastend werden kann, weshalb unser Umgang untereinander für uns auch ein essentieller Teil unserer Arbeit ist.

Zu guter Letzt kochen wir aus ökologischen und ethischen Gründen vegan. Vieles ist noch offen, aber wir denken und hoffen, dass wir bereit sind, uns auf das, was uns erwartet einzulassen.

Nur etwas fehlt uns dafür noch: Um helfen zu können, müssen wir

  • Lebensmittel,
  • Medikamente
  • Kleider kaufen
  • und eine Unterkunft sowie einen Transport organisieren.

Deshalb brauchen deine finanzielle Unterstützung!