KochKollektiv sammelt für das FrachCollectiv (Flüchtlingshilfe in Bosnien)

Das KochKollektiv startete das FrachCollective im Oktober 2020. Wir sammeln Geld für das autonome Projekt!

Der Winter ist hier und es is bitter kalt in Bihac! Jetzt braucht es viel Hilfe mit Schlafsäcken, warmen Kleidern, guten Schuhen, Lebensmitteln und vielem mehr etc. etc.

Wir, frachcollective, sind ein selbstorganisiertes, basis-demokratisches und politisch arbeitendes Kollektiv in Bihać, Bosnien Herzegowina, einer Stadt nahe der kroatischen EU-Außengrenze, die sich zum Flaschenhals für flüchtende Menschen auf der Balkanroute entwickelt hat. Die flüchtenden Menschen leben in zusammengefallenen Gebäuden oder einfachen Zelten. Immer wieder werden solche Strukturen von der Polizei abgebrannt, geräumt und die Menschen in das abgelegene Lipa Camp gebracht, welches fernab von der Bevölkerung einen schlechten Ausgangspunkt für den Grenzübertritt bietet.

Die Arbeit des Kollektivs besteht aus Kontakt mit den POM (people on the move = Menschen auf dem Weg), verpacken von Lebensmitteln und Kleidung, sowie verteilen dieser lebensnotwendigen Dinge.

Unser Kollektiv stellt einen essentiellen Teil der humanitären Hilfe dar, die von öffentlichen Institutionen oft nur fahrlässig dargeboten wird, wodurch fast allen die Aussicht auf ein lebenswertes Leben verwehrt bleibt.

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Text von Menschen im aktuellen Einsatz aus Bihac, Bosnien

Ganzer Text der Menschen die aktuelle für das frachcollective in Bihac im Einsatz sind:

«Wir, frachcollective, sind ein selbstorganisiertes, basis-demokratisches und politisch arbeitendes Kollektiv in Bihać, Bosnien Herzegowina, einer Stadt nahe der kroatischen EU-Außengrenze, die sich zum Flaschenhals für flüchtende Menschen auf der Balkanroute entwickelt hat. Die Stadt selbst ist durch einen Krieg in den 90ern zutiefst traumatisiert. In den Wänden der Häuser sind Einschusslöcher zu sehen und die Arbeitslosenquote liegt nahe der 50% (JU Employment Office of Una Sana Canton, 2019). Viele junge Bewohnerinnen der Stadt träumen von einem Leben in Deutschland, doch dies gilt nicht nur für die 60.000 Bosnierinnen, sondern viel mehr für die Flüchtenden, die hier festsitzen. Rumänien, Ungarn, Serbien, Griechenland und andere Länder haben Zäune errichtet. Im Laufe der letzten Jahre durchwanderten Zehntausende, meist aus Afghanistan und Pakistan kommend, das Land. Nun ist die Zahl mit ca. 2400 außerhalb und 3600 innerhalb der offiziellen Camps lebenden Menschen geringer, auch wenn es das Stadtbild durch die Vielzahl mit Rucksäcken bepackter Leute anderes vermuten lässt (Bosnia and Herzegovina, 2021). Die flüchtenden Menschen leben in zusammengefallenen Gebäuden oder einfachen Zelten. Immer wieder werden solche Strukturen von der Polizei abgebrannt, geräumt und die Menschen in das abgelegene Lipa Camp gebracht, welches fernab von der Bevölkerung einen schlechten Ausgangspunkt für den Grenzübertritt bietet. Die Arbeit des Kollektivs besteht aus Kontakt mit den POM (people on the move = Menschen auf dem Weg), verpacken von Lebensmitteln und Kleidung, sowie verteilen dieser lebensnotwendigen Dinge. Die Menschen hier nennen den Weg der vor ihnen liegt das «Game». Wenn sie verlieren, werden sie zum Startpunkt hinter die EU Außengrenzen deportiert. Diese Zurückweisungen sind systematisch und illegal. Es handelt sich nicht um Einzelfälle und die meisten haben dutzende Male der Zurückweisung hinter sich, halten sich seit Monaten oder Jahren an der Grenze auf und werden alle paar Wochen erneut deportiert. Entlang der Balkanroute zählte das aktivistische Netzwerk Border Violence Monitoring Network 892 Gruppen-Pushbacks mit 12.654 Betroffenen seit 2017 (2020). Diese sind alles andere als gewaltfrei (Tagesschau, 2021). Nach geltendem EU Recht haben Schutzsuchende immer das Recht auf einen Asylantrag, doch in der Realität geschieht das Gegenteil. Zurückweisungen erfolgen in Kroatien, Slowenien, Österreich, und nach zahlreichen Aussagen sogar aus Italien und die Menschen werden psychisch und physisch aufs äußerste misshandelt und zurück gebracht. Die Polizei zerstört ihre Handys, Brillen, nimmt ihnen meist Schuhe, Geld und Papiere weg, um es zu erschweren autonom zurecht zu kommen. Wir helfen den Menschen nach den Deportationen, so gut wir können. Manche wurden schon einmal aus Deutschland abgeschoben und sind das zweite Mal auf dem Weg. Eine Sisyphos-Arbeit. Ein Game, also der Weg von Bosnien nach Italien, dauert 14 Tage je 20km. Die Wege kreuzen Autobahnen und Flüsse. Meistens laufen die Flüchtenden in der Nacht. Es kann in der Regel nicht eingekauft werden, das Risiko ist zu groß. Deutschland und die EU schickten unter dem Vorwand des «Grenzschutzes» seit 2015 Wärmebildkameras und Autos im Wert von hunderten Millionen Euros an die Kroatische Polizei (Deutscher Bundestag & Tageschau, 2021) . Wofür diese missbraucht werden, erfahren wir hier täglich. Viele haben ihre Körper nicht nur voller Wunden, Abszesse, Krätze oder Pilzinfektionen, sondern auch zahlreicher Spuren der Polizeigewalt. Alles was wir tun können ist nur symptomatisch, die Ursache liegt in der Verantwortung anderer. Doch unser Kollektiv stellt einen essentiellen Teil der humanitären Hilfe dar, die von öffentlichen Institutionen oft nur fahrlässig dargeboten wird, wodurch fast allen die Aussicht auf ein lebenswertes Leben verwehrt bleibt.»

Referenzen zum Text:

  • Bosnia and Herzegovina, Interagency Response to Mixed Movement MONTHLY SITUATION REPORT - JULY 2021, 2021
  • Deutscher Bundestag, Drucksache 19/28043 19. Wahlperiode, Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Luise Amtsberg, Dr. Irene Mihalic, Filiz Polat, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 19/27094 – Pushback-Vorwürfe gegen Frontex und die Rolle der deutschen Einsatzkräfte, 2021
  • Tageschau, Maskierte prügeln Migranten aus der EU, 2021, https://www.tagesschau.de/ausland/europa/pushbacks-gewalt-bosnien-kroatien-101.html
  • JU Employment Office of Una Sana Canton, 2019, http://www.uskszz.ba/BILTEN/BILTEN%20JULI%20%202019%20(2).pdf

Das Besondere an FrachCollective!

Das Projekt wurde im Oktober 2020 gestartet. Im Dezember 2020 ging die erste Gruppe nach Bosnien. Das Projekt war von Anfang an offen für alle Menschen die selbst nach Bosnien reisen und mitanpacken wollten! Menschen kamen, gingen und neue Menschen kamen.

Das Besondere?! Das Projekt läuft immer noch! Geplant waren 2 Monate. Wie naiv wir waren! Jetzt läuft das Projekt bereits 12 Monate! Ab 1. Juli 2021 hat der Verein «On the move» aus Tübingen die Organisation übernommen. Grossartig! Das ist gelebte Solidarität.

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Hintergrund für das aktuelle Crowdfunding.

Das Projekt «KochKollektiv» hat unabsichtlich CHF 38´000.– für ihr Flüchtlingsprojekt ausgegeben wobei das Geld jedoch für eine andere Gruppe bestimmt war.

Vorgeschichte: Im Oktober 2020 besetzten eine Gruppe von Öko Aktivist*innen ein Stück Wald in Waadt um gegen den Kalkabbau der Firma Holcim zu kämpfen. Das KochKollektiv stellte der Gruppe Küchen Equipment zur Verfügung und ein Mensch kochte für ein paar Tage vor Ort. Ebenfalls im Oktober 2020 entwickelten Menschen aus dem KochKollektiv die Idee im Februar und März 2021 für Menschen auf der Flucht kochen zu gehen. Ein erstes Crowdfunding wurde gestartet um das Unternehmen zu finanzieren. Der Einsatz startete überraschend bereits im Dezember 2020 als das Flüchtlingscamp in Lipa, bei Bihac in Bosnien und Herzegowina niederbrannte. Spendengelder kamen von verschiedenen Seiten. Die EC Karte des KochKollektiv €uro Kontos wurde in Bihac benutzt um Geld abzuheben. Geld wurde hauptsächlich ausgegeben für Lebensmittel, Transport, Mobilität, Kommunikation, Medikamente und weitere Notwendigkeiten für die Menschen auf der Flucht.

Anfangs März 2021 war die Räumung der Besetzung absehbar. Die Gruppe entschied sich ein Crowdfunding zu starten um die legalen Kosten der Räumung zu finanzieren. Die Gruppe fragte das KochKollektiv an ob sie unser Bankkonto für das Crowdfunding benützen können.    Natürlich! Hier passierte der erste Fehler. Es wurde zu wenig Aufmerksamkeit darauf verwendet, dass das «CHF KochKollektiv Konto» für die Überweisung benützt werden soll. Der zweite Fehler war, dass der Crowdfunding Betrag nicht wie informiert in einem grossen Betrag überwiesen wurde, sondern in kleinen Tranchen.

Das Problem: Der dritte und gravierendste Fehler passierte, als das Geld, welches nun fälschlicherweise auf das €uro KochKollektiv Konto überwiesen wurde, ohne Verdacht und ohne Kontrolle als Flüchtlingsprojekt Geld gesehen wurde und ausgegeben wurde. So wurden CHF 38´000.– in Bosnien ausgegeben wobei das Geld jedoch nicht für Bosnien bestimmt war. So hat das KochKollektiv eine Schuld von CHF 38´000.–

Das KochKollektiv übernimmt die Verantwortung und macht sich an die Arbeit das Geld wieder zu erarbeiten und es den rechtmässigen Empfängern weiter zu leiten.

Die Lösung: Das KochKollektiv startet ein neues Crowdfunding, organisiert Solidaritätsveranstaltungen und fragt Menschen direkt für finanzielle Unterstützung.

Finanzielle Situation: Mit KochAktionen, Solidaritäts-Veranstaltungen und direkten Spenden konnten wir bereits CHF 20’000.– zurück überweisen. Es fehlen noch CHF 20’000.– die wir mit diesem Crowdfunding finden wollen!

Mit solidarischen Grüssen und Dank für jegliche Unterstützung.

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