Pflasterstein & Pfirsichbowle – Nöstlinger-Geschichten für Erwachsene on Tour durch Wien

Aus drei Kurzgeschichten von Christine Nöstlinger wurde ein Stück übers Erwachsen-Werden, wenn man schon erwachsen ist, über das Leben, das Frausein, das Glück. Und übers Lesen, Schreiben und das Kramen in den Gedanken, Sätzen und Erinnerungen.

Wir spielen «Pflasterstein & Pfirsichbowle» am 30. November 2019 für euch bei Ortnerbücher, in der Tigergasse 18, im 8. Bezirk, in Wien. Doch damit soll noch nicht genug sein! Denn wir wollen dieses Projekt, mit seinen absurd-fantastischen, wahnsinnig-lebensechten und faszinierend-alterslosen Geschichten, möglichst oft, in möglichst vielen verschiedenen Locations für euch spielen. Wir wollen in Kindergeschichten und Erinnerungen tauchen, dort, wo auch sonst gelesen und in gebrauchten Erinnerungsdingen gekramt wird, und erleben, wie sich das Stück von Spielort zu Spielort, Buchhandlung zu Second-Hand-Shop, jedes Mal ein wenig verwandelt. Damit das möglich wird, zählen wir auf euch!

DARUM GEHT ES IN «PFLASTERSTEIN & PFIRSICHBOWLE» «Lieserls Zimmerlinde hat ihr geklagt, dass sich ihr unterer Teil, der im Topf vergrabene, recht einsam fühle und nach einem Haustier sehne.»

Wir wachsen und wuchern, wir suchen einen Platz zum Wurzeln-Schlagen, aber stillhalten wollen wir auch nicht. Wir wissen gar nicht, was wir wollen – einen Mensch-zum-Dableiben, eine andere Welt, ein anderes Ich.

Vier Frauen, ein Hund und eine Zimmerlinde begeben sich in und mit Geschichten von Christine Nöstlinger auf die Suche nach ihrem Platz in dieser Welt, in die sie noch nicht ganz hineingewachsen sind.

Gemeinsam mit dem Publikum sucht eine Leserin in den Geschichten «Was wäre wenn», «Hugos Dritte große Liebe» und «Gugurells Hund» nach Hinweisen auf die Person, die im Nöstlinger-Lesebuch Notizzettel hinterlassen hat – und stößt dabei auf abstruse Vorstellungen vom Leben und vom Frausein, auf schwere Gedanken und auf die Frage, was es denn braucht, zum Glücklichsein. Wenn es ihr zu viel wird, klappt die Leserin das Buch kurz zu. Aber dann wieder auf. Denn das Aufdecken ist eben eine Leidenschaft.

Eine tänzerisch-spielerische Coming-of-Age-Story für alle, die zwar groß geworden, aber noch nicht wirklich Wurzeln geschlagen haben.

Picture 30ade797 6623 4502 aa61 785884199fa2Picture d86e5155 e1d1 41cb bdf0 1476a9e6938cPicture af806bb2 46d9 470e b0a3 e508bbe5e1b2

Wie es zu «Coming-of-Age» mit Nöstlinger kam

Weich, süß-saftig und bunt — hart, kalt-grau und schwer. Wie Pfirsichbowle und Pflastersteine. «Wenn Sie wissen, wie Leidenschaften wirken, werden Sie mich verstehen»…

Niemand schreibt Geschichten für Kinder so wie Christine Nöstlinger. Magisch-realistisch, tief in Wien verwurzelt aber doch nirgends in der Welt angekommen – so ehrlich, dass es weh tut und dass man lachen muss.

Am Beginn dieses Projekts stand der Gedanke, Kindergeschichten für Erwachsene aufzuführen - die rosarote Kindheitsbrille wegzulassen und zu schauen, was übrig bleibt. Aber in den Geschichten von Christine Nöstlinger ist von vornherein nicht alles rosarot. Die Welt ist grau-bunt und absurd-komisch, voll federleichter Schwere und steinerner Leichtigkeit…und daran hat sich, zumindest für uns, seit der Kindheit bis heute nicht viel geändert.

Deshalb hat sich das Stück, wie von selbst, in eine Coming-of-Age-Story verwandelt – für all jene, die eigentlich aus dem Alter draußen wären, an das man bei «Coming-of-Age» denkt. Weil in Wirklichkeit niemand mit 17, 18 oder 30 so wirklich seinen Platz in dieser Welt gefunden hat – vielleicht niemals. Fragt uns in 20 Jahren noch einmal, vielleicht gibt es dann ein «Coming-of-Age» für Frühpensionist*innen.

In diesem Stück werfen wir als junge Erwachsene gemeinsam mit dem Publikum einen Blick auf Geschichten, die für Kinder geschrieben wurden, die gerade noch erwachsen werden – oder wachsen darin und damit und mit euch, weiter.

«Pflasterstein & Pfirsichbowle» ist bunt, vielseitig, tänzerisch, aber gleichzeitig ruhig und intim. Wie können wir das erklären… stellt euch vor, ihr lest ein Buch. Und dann stellt euch vor, was dabei in eurem Kopf passiert. Das eine ist ruhig, innerlich, behaglich. Das andere ist chaotisch, wild, spritzig, abenteuerlich. Und jetzt stellt euch mal beides gleichzeitig vor. Und mit 8 Köpfen, in denen was passiert. Denn wie immer bei phunkenwerk entstand das Projekt im Kollektiv: alle Performer*innen haben ihre Ideen und Gedanken in die Entwicklung der Szenen eingebracht.

Picture 84ea8d86 fda7 4469 91c3 20825b70855cPicture d9bacf40 d7d9 4fa8 8200 ddecc21853c5Picture b29bfdaa 1c4c 49de b333 6562e73fe78ePicture 8de714cf cb09 42c2 8aa4 579edbaee6c6

Auch die Kunst lebt nicht von Luft und Liebe allein...

Die größte Unterstützung ist natürlich der Besuch jeder und jedes Einzelnen von euch! Gerade weil wir es möglich machen wollen, dieses Projekt allen zugänglich zu machen (Eintritt gegen freie Spende, Empfehlung 8-15€), reichen die Einnahmen vor Ort nicht aus, denn vieles kostet Geld:

  • Probenräume
  • Kostüme und Requisiten (zum Beispiel: zwei Bücher, vollgefüllt mit Notizen, eine Zimmerlinde, ein minimalistisches Badezimmer, Masken für die Tänzerinnen und Farbe, um die Tänzerinnenkostüme zu färben, Einzelteile für Kostüme, die es nirgends geborgt oder geschenkt gab)
  • Technik und Menschen, die sie betreiben (auch wenn die Menschen ebenfalls mit einem befreundet sind, verdienen sie faire Bezahlung)
  • Make-Up
  • Drehbücher drucken
  • Tickets und Programme drucken
  • Abgaben an den Verlag und die Erb*innen Christine Nöstlingers

Und zuguterletzt, auch wenn davon ungern gesprochen wird: auch Performer*innen sind Menschen. Die Zeit, in der sie proben, können sie nicht kellnern, Akten sortieren, oder anderweitig Geld verdienen um zu essen oder ihre Miete zu bezahlen. Nur weil wir unsere Arbeit lieben, ist sie trotzdem Arbeit und kostet Zeit.

Damit also der obligatorische Freie-Szene-Burnout etwas eingebremst wird (der sich einstellt, wenn man nach dem 40/50h-Job statt ins Bett zur Probe fährt) und die Darstellerinnen sich zumindest in der Probenzeit manchmal eine Jause zahlen können, brauchen auch wir, als unvollkommene, hungernde Künstlerinnen, eure Unterstützung. Hier geht es nicht um viel, um keine Anstellung oder ein Stundenhonorar. Aber sich in Aufführungswochen mal eine Tafel Schokolade kaufen zu können und im anderen Job mal eine Schicht ausfallen zu lassen, wäre schön – und auch gerecht.

Damit wir dieses Projekt über den November 2019 hinaus etliche Male in spannenden Locations, zwischen Bücherregalen und hinterlassenen Dingen, für euch aufführen können, damit jedes Mal wieder das Licht und die Musik angehen können und die Darsteller*innen in Maske & Kostüm für euch auftreten, um die Figuren aus den Geschichten Nöstlingers und unseren Köpfen aus den Buchseiten und Gedankenfäden zum Leben erwecken – dafür zählen wir auf euch!

Content