Entwicklung des ThemasBy Wolfgang Dokulil, on 13/11/2021 14:38

Planet BBL eine Improoper

Planet BBL bezieht sich auf den Mythos vom Turm zu Babel. Als Wort ohne Vokal konnte BBL verschieden übersetzt werden: als Tor zum Himmel (= Babylon) und als Sprachverwirrung. Über diese beiden Bedeutungsfelder reflektiert die Improoper Planet BBL.

Das Tor zum Himmel war das babylonische Ischtar Tor. Der Himmel symbolisiert den Sitz der Götter und Göttinnen, sowie geglücktes Leben, Nirwana, Liebe, Erlösung .… Der Himmel kann aber auch interpretiert werden als langweiliger Ort, als leere Versprechung, oder als Ablenkung von der realen Welt, in der Gewalt, Tod und Zerstörung herrschen. Ischtar spiegelt als Göttin der Liebe und des Krieges diesen Gegensatz wieder. Liebestrieb und Todestrieb - Eros und Thanatos - die zwei Seiten der menschlichen Seele.

Planet BBL ist keine platte Veranschaulichung des Mythos vom Turm zu Babel. Er ist ein Symbol für Zivilisation, Kultur und für die erste Großstadt der Welt (Babylon). Der Turm ist aber auch ein phallisches Symbol und als solches eine Metapher für verstiegene Selbstanmaßung, für Unterdrückung, Ausbeutung, schrankenloses Wachstum und Zerstörung der Lebensgrundlagen.

Die Sprachverwirrung in Babylon kann durchaus vernünftig und ganz unbiblisch in der Vielsprachigkeit der aus allen Richtungen in die Stadt einströmenden Menschen wurzeln. Unverständnis besteht nicht nur zwischen Menschen verschiedener Sprachen. Zwei Menschen können dieselbe Sprachen sprechen und einander doch nicht verstehen. Grenzen, Zäune sind keine notwendige Folge der Sprachverwirrung. Grenzen können umgekehrt Sprachbarrieren erst schaffen oder verstärken. Vielsprachigkeit ist nur dann ein Problem, wenn zwischen den Sprachen und Kulturen nicht übersetzt wird.

Die Babylonische Sprachverwirrung kann ein Tor zum Frieden sein. Wenn die Menschen aus der scheinbaren Klarheit ihrer individuellen Sprache heraustreten, besteht die Möglichkeit einer Verständigung untereinander. Fremdheit ist die Grundbedingung für Freundschaft. Auf dem Planeten ist nicht nur ein Standpunkt möglich. Die Menschen haben ein Recht auf gemeinschaftlichen und friedlichen Besitz der Erde, auf der sie sich nicht ins Unendliche zerstreuen können. Die planetarische Ästhetik fordert auf, die Begrenzung durch das Gesichtsfeld zu überwinden und den Planeten aus der Ferne zu betrachten.

Mit den Mitteln von Improvisation, Bricolage und Performance träumen wir von einer Welt, in der Lieblosigkeit, Ausgrenzung, Krieg, Ausbeutung, Unterdrückung und Umweltzerstörung verachtet und zurück gedrängt werden.

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