Über unser Projekt

Christian Radecke, ehemaliger Pfarrer der Deutschen Kirche in Murten, bewahrt den musikalischen Nachlass seines Urgrossvaters Robert Radecke (1830-1911). Nicht nur viele Noten, sondern auch Briefwechsel mit Zeitgenossen wie Robert Schumann, Clara Schumann oder Felix Mendelssohn deuten auf einen noch nicht «entdeckten» Schatz der Musik hin.

Die Projekt-Idee, die Orchesterwerke von Robert Radecke in einer CD-Aufnahme einem breiten Publikum zugänglich zu machen entstand 2011 als Kaspar Zehnder im Rahmen der Murten Classics eine vielbeachtete Wiederaufführung seiner Werke leiten konnte.

Dass Kaspar Zehnder 2012 die Künstlerische Leitung des Sinfonie Orchesters Biel Solothurn (SOBS) übernahm, gab dem Vorhaben einen neuen Schwung: Das bedeutende deutsche Label CPO und sein Leiter Burkhard Schmilgun konnten gewonnen werden. CPO hat sich in den letzten Jahrzehnten durch das konsequente Herausgeben vernachlässigter oder vergessener Musik profiliert.

Anlässlich der Aufnahmen wird von einer Berliner Werbefirma ein Trailer mit Interviews, Hintergründen, Episoden zur Geschichte von Repertoire, dessen Wiederentdeckung und Neuproduktion gemacht, der in der Folge als Bonus-Track, aber auch als audiovisuelle Visitenkarte des Orchesters genutzt werden kann.

Wer war Robert Radecke?

Geboren 1830 in Dittmannsdorf in Schlesien, besuchte Radecke das Konservatorium Leipzig 1848-1850, baute sich als Geiger, Pianist, Organist, Dirigent und Komponist seinen Wirkungskreis in Leipzig, ab 1853 in Berlin auf. 1863 wurde er Musikdirektor am königlich-kaiserlichen Opernhaus, 1871 königlicher Kapellmeister, leitete ab 1892 das königlich-akademische Institut für Kirchenmusik und präsidierte die Musiksektion in der Akademie der Künste in Berlin. Zu seinem persönlichen Bekanntenkreis zählten Robert und Clara Schumann, Liszt, Wagner, Brahms, Richard Strauss; zu seinem Freundeskreis gehörten Woldemar Bargiel, Joseph Joachim, Heinrich von Herzogenberg und Max Bruch. Besonders berührt von den Klangwelten Beethovens, Mendelssohns und Schumanns, fand er als Komponist in seinen 58 Opera zu einem eigenständigen Stil.

Die Zeit, in die Robert Radecke hineingeboren wurde, spiegelt sich im Klang seiner Sinfonie wider: Die Exposition des ersten Satzes gemahnt – obwohl am Ufer des Zürichsees komponiert – an die pastoralen Idyllen von Radeckes Herkunft Schlesien: es stellt sich eine wohltuende, durch und durch romantische, Stimmung ein, wie in manchen Gedichten seines Landsmannes Eichendorff. Der zweite Satz gibt dieser romantischen Klangwelt mehr Tiefenschärfe, die ausschweifende Melodie ist an Schumann geschult, während das Scherzo eher der Sommernachtstraumwelt Mendelssohns entspricht. Im Finale schliesslich ballen sich die Klangwolken zu dramatischer und schliesslich heroischer Aussage, die deutlich in Richtung von Brahms, Bruckner und Mahler weist. Hier erweist sich Radeckes Stil auf der Höhe seiner Zeit. Im Gegensatz zu vielen vergessenen Romantikern besticht Radecke nicht nur durch formale Geschlossenheit, sondern auch durch melodischen Einfallsreichtum. Seine Musik ist packend, erzählend, kraftvoll, emotional.

Wann und wo wird aufgenommen?

Die Aufnahmen finden im Juni 2015 im Calvinhaus in Biel unter der Aufnahmeleitung von Frédéric Angleraux von ADC Sound statt.

Was wird aufgenommen?

  • Sinfonie F-Dur op. 50*
  • Ouvertüre zu Shakespeares «König Johann» op. 25
  • Zwei Scherzi op. 52
  • Nachtstück op. 55

*Die F-Dur-Sinfonie wurde zu Lebzeiten des Komponisten mehrmals von den bedeutendsten Orchestern gespielt. Als Kapellmeister der Königlichen Hofoper und einflussreichem Mitglied der Königlich Preussischen Akademie der Künste sowie als Direktor des Königlichen Instituts für Kirchenmusik Berlin (heute Teil der UdK Berlin) hatte Robert Radecke die nötigen Beziehungen. Anlässlich seines Todes 1912 spielten die Berliner Philharmoniker die F-Dur-Sinfonie zum letzten Mal, dann verschwand sie für über 100 Jahre von den Programmen.

Warum brauchen wir eine finanzielle Unterstützung?

Das Projekt entsteht auf die Initiative von Kaspar Zehnder, Christian Radecke und Sinfonie Orchester Biel Solothurn. Das Gesamtbudget beträgt CHF 57’000, wovon bisher CHF 40’000 durch die Familie Radecke, das Label CPO, SOBS und Kaspar Zehnder gesichert werden konnten. Die restlichen Beträge werden versucht durch die Freunde des SOBS und durch die wemakeit-Kampagne gedeckt zu werden.

Der Reingewinn aus der wemakeit-Kampagne wird zur Finanzierung der CD-Herstellung und für die Aufnahmenrechte verwendet.