Darum gehts

Im Juni 2014 habe ich als Privatperson diverse Hochschulbibliotheken der Schweiz angefragt, was sie an die drei grössten wissenschaftlichen Verlage bezahlen. Obwohl es hier um öffentliche Gelder in Millionenhöhe geht, habe ich von den Bibliotheken bzw. deren Hochschulen mit Ausnahme von Lugano keine Zahlen bekommen.

Gegen die Absagen der ETH, EPFL, Lib4RI, Konsortium, UZH (HBZ und ZB), ZHAW, UniBas, UniBe, und UniGE habe ich Rekurs/Beschwerde/Schlichtungsantrag eingereicht. In Genf liegt das Resultat der ersten Rekursinstanz nun vor. Obwohl der Genfer Datenschützer und Öffentlichkeitsbeauftrage (PPDT) zum Schluss kommt, die Universität solle die Bezahlungen öffentlich machen, verweigert die Universität Genf weiterhin die Akteneinsicht. Für die Universität scheint es gemäss Rektor wichtiger zu sein, die unötigerweise zugesicherte Vertraulichkeit den Verlagen gegenüber einzuhalten, als der Öffentlichkeit gegenüber transparent auszuweisen, wofür sie die erhaltenen Steuergelder einsetzt.

Diese Entscheidung möchte ich am Genfer Verwaltungsgericht anfechten. Es ist für mein demokratisches Verständnis stossend, dass öffentliche Institutionen ihre Ausgaben geheimhalten können. Da es in der Schweiz bisher noch keine gerichtliche Praxis für die vorliegende Situation gibt, hoffe ich mit diesem Rekurs einen Leitentscheid für andere Hochschulen erreichen zu können.

Bisheriger Verlauf in Genf

  • 23.06.2014: Anfrage nach Dokumenten (PDF)
  • 14.07.2014: Ablehnung Aktensicht 1 (PDF)
  • 21.07.2014: Anfrage zur Mediation (PDF)
  • 12.09.2014: Mediationsgespräch in Genf (PDF)
  • 15.09.2014: Nachlieferung von Argumenten (PDF)
  • 20.11.2014: Empfehlung des Datenschützer (PDF)
  • 05.12.2014: Ablehnung Akteneinsicht 2 (PDF)

Dafür brauche ich deine Hilfe

Um den Rekurs zu führen habe ich mir professionelle Hilfe gesucht und bin bei der Anwaltskanzlei BCCC fündig geworden. Die Kosten für diesen Rekurs werden auf CHF 5000 geschätzt.

Allfällige Überschüsse (oder Entschädigungen bei positiven Rekursausgang), werden für weitere Verfahrenskosten für weitere Rekurse bei anderen Schweizer Hochschulen verwendet oder fliessen schlussendlich in die Open Access Projekte Open Access Button, PKP, Sui-generis.ch oder Wikimedia.

Wozu?

Als Insider weiss ich, dass viele Universitäten – obwohl sie sich eigentlich zu Open Access verpflichtet haben – immer wieder und vorallem immer mehr Geld an diese Closed Access Verlage zahlen. Eigentlich wäre längstens ein Punkt erreicht, wo – wie in den Niederlande oder Konstanz – die Universitäten sagen müssten: Genug ist genug wir bezahlen nur noch für Open Access.

Damit das geschehen kann, muss allerdings erstmal öffentlich werden, wie teuer und absurd das traditonelle Subskriptionssystem ist. Ein erster Schritt dazu ist, dass öffentlich finanzierte Hochschulbibliotheken transparent ausweisen, wieviel Geld sie an die Verlage bezahlen und die Verträge mit den Verlagen ganz öffentlichen machen.

Diese Zahlen könnte dann ähnlich wie in UK oder USA analysiert werden. Man wird vermutlich schnell feststellen, dass die Bibliotheken in der Schweiz ZU VIEL für ZU WENIG Wertschöpfung bezahlen und regelrecht über den Tisch gezogen werden.

Von Elsevier, Springer und Wiley weiss man, dass diese sensationelle Profite erzielen. Elsevier erzielte im Jahre 2013 einen Reingewinn von $1.38 Milliarden bei einem Umsatz von $3.56 Milliarden, was einer Gewinnmarge von 39% entspricht. Zum Vergleich. Novartis schafft es auf «nur» 27%.

Auch ist bekannt, dass die Verlage Vertraulichkeitsklauseln, dafür benutzen um ihre Profite hochzuhalten. Bezeichnend dafür ist die Aussage von David Tempest, Director of Access Relations bei Elsevier: