TRASH ME (if you can) ... frei nach Kafka

Das ist nicht mein Körper. Das sind nicht meine Arme, meine Beine, die wollen nicht mehr, sind nicht zu gebrauchen, eine alte Dose meine Schläfe, aus der ich nicht mehr trinken kann, Styropor auf der Stimme, Kiesel in den Gliedern. Wenn ich nur aufstehe, wird alles wieder vergehen, ein leichtes Unwohlsein nur, ich kann doch nicht die Arbeit versäumen. Eine Jahreszeit, um keine Geschäfte zu machen, gibt es nicht.

Statt den Kaugummi wegzuwerfen, habe ich ihn mir auf den Kopf gelegt, um darüber nachzudenken.

Eine absurd-kafkaeske Einverleibung von Müll, mit Live-Musik, frei nach Kafkas ’Die Verwandlung’!

TRASH ME (if you can) sind eine Performance, 5x aufgeführt, und ein Workhop, 2x durchgeführt, vom 27.-29. Juli 2021 am Schwendermarkt in Wien. Wir setzen damit das in der Coronakrise in den Hintergrund gerückte Thema Umwelt in den öffentlichen Raum und ins öffentliche Bewusstsein. Ausgehend von Kafkas ’die Verwandlung’ erforschen wir das Wechselverhältnis von Mensch und Müll, zwischen Individuum und kapitalistischem System, zwischen Umweltbelastung und psychischer Belastung.

Wir befragen unser ganz persönliches und gesellschaftliches Verhältnis zu Müll, zwischen Scham und Ekel, kleinen Lösungen und riesig wachsenden Müllbergen. Der Müll, der über Mikroplastik in unseren Körpern und über die Logik von Be- und Verwertung in unserem Denken landet, verwandelt uns und die Welt, in der wir leben.

Damit wir unser vermülltes Stadtspektakel für alle zugänglich (freie Spende statt Ticketpreisen) umsetzen können, zählen wir auf euch!

TRASH ME (if you can) wird bereits von der MA7, der MA36 der Bundes-ÖH und der ÖH Uni Wien gefördert. Was jetzt noch fehlt? Ihr!

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Warum wir den Kopf aus dem Sand gezogen und in den Mülleimer gesteckt haben

Die Idee uns performativ mit Müll zu beschäftigen, kursiert schon länger in unseren Köpfen. In phunkiger Manier loderte sie immer mal wieder in Diskussionen und breiteren Probenkontexten auf. Immerhin befinden sich in unseren Reihen eingefleischte Dumpster-Diver, Klima-Camp-Kämpferinnen, enthusiastische Demonstrantinnen. Wir versuchen im eigenen Alltag unsere Müllproduktion zu reduzieren, stehen aber gleichzeitig oft wie ohnmächtig vor diesem Problem, das strukturell und viel größer ist, als wir, und für das wir uns trotzdem irgendwie schuldig und verantwortlich fühlen…ein bisschen wie Gregor Samsa, der eines Morgens als Käfer erwacht.

Deshalb Müll! Deshalb Kafka!

Auch wenn die Verbindung zwischen dem Prager Düsterboy und drängenden Umweltthematiken auf den ersten Blick nicht ganz eindeutig erscheinen mag, lässt sich bei genauerer Betrachtung ein phunkelnder roter Faden erkennen. Der gesamtgesellschaftliche Aspekt ist ohne Frage extrem wichtig, gleichzeitig spiegelt er aber auch nur die eine Seite der Coladose wieder. Die Plastikflasche besteht aus sehr vielen kleinen Teilchen von Mikroplastik, wir sind Individuen mit persönlichen Erfahrungen und Gefühlen. Die zweite essentielle Frage lautet also: Was macht Müll mit uns in unserer je subjektiven Realität? Wir alle kennen Phrasen wie: Ich fühl mich dreckig. Ich bin total kaputt. Ich bin so wasted. Gammel nicht so rum! oder auch den bildungsinstitutionellen Klassiker: Wirf dein Leben nicht weg! Die Gegenwart und das Leben in unseren eigenen Überresten prägt also offensichtlich unser Verständnis von uns selbst. Und anscheinend bis hin zu dem Punkt, an dem wir uns selbst mit ihnen identifizieren, die Grenzen nicht mehr klar erkennen und uns in gewisser Weise verwandeln. Psychische Belastung und Erschöpfung, die sich in einem Gefühl von Minderwertigkeit, Ausgebranntheit und schlichtweg Ohnmacht manifestieren sind ernstzunehmende und wachsende Probleme unserer Zeit. In Die Verwandlung beschreibt Franz Kafka den seelischen Kollaps eines hart arbeitenden Handelsreisenden, der unter der Last einer leistungsorientierten Gesellschaft leidet und schlussendlich an ihr zerbricht. Ausweglosigkeit, Ohnmacht und Verzweiflung sind Leitmotive der Erzählung, sie prägen uns auch in unserer gegenwärtigen Situation. Sie kleben an uns wie der eingetretene Kaugummi, den wir einfach nicht mehr loswerden, wenn wir vor dem immer größer werdenden (inneren, wie äußeren) Müllberg stehen, mit Tränen in den Augen und Stechen im Bauch.

Stellt euch mit uns gemeinsam gegen die Müllberge und die Ohnmacht, helft uns, zu Kaugummi auf dem Kopf und Steinen im Bauch gegen den Wahnsinn anzuspielen!

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Auch die Kunst lebt nicht von Luft und Liebe allein...

Die größte Unterstützung ist der Besuch jeder und jedes Einzelnen von euch! Gerade weil wir es möglich machen wollen, dieses Projekt allen zugänglich zu machen (Eintritt gegen freie Spende) reichen die Einnahmen vor Ort nicht aus, denn vieles kostet Geld:

Probenräume

Kostüme und Requisiten (zum Beispiel Holz für einen Cubus, Einzelteile für Kostüme, die es nirgends geborgt oder geschenkt gab und vieles mehr)

Technik und Menschen, die sie betreiben (auch wenn die Menschen ebenfalls mit einem befreundet sind, verdienen sie faire Bezahlung)

Unsere Musiker*innen

Drehbücher drucken

Tickets und Programme drucken

Und zuguterletzt, auch wenn davon ungern gesprochen wird: auch Performer*innen sind Menschen. Die Zeit, in der sie proben, können sie nicht kellnern, Akten sortieren, oder anderweitig Geld verdienen um zu essen oder ihre Miete zu bezahlen. Ja, wir lieben unsere Arbeit, aber ist sie trotzdem Arbeit und kostet Zeit.

Damit also der obligatorische Freie-Szene-Burnout etwas eingebremst wird (der sich einstellt, wenn man nach dem 40h-Job statt ins Bett zur Probe fährt) brauchen auch wir, als unvollkommene, hungernde Künstler*innen, eure Unterstützung. Hier geht es nicht um viel. Aber sich in Proben- und Aufführungswochen verpflegen und im anderen Job mal eine Schicht ausfallen lassen zu können, wäre schön – und auch gerecht.

Helft uns dabei, vom alten Hemd sprechen zu können, um nicht das letzte geben zu müssen! Damit wir unsere Müllmorphose möglichst gut hörbar, sichtbar und spürbar durchleben und unter besten Bedingungen in den Abfalleimer einladen können. Mit eurer Hilfe können wir uns am Schwendermarkt der Verschwendung annehmen, den Überrest performen und ENDLICH wieder spielen!

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