Radiohören gehört zu unserer Alltagskultur, doch wo landet das Gehörte?

Die Eigenproduktionen von Schweizer Radio werden seit den 1920er Jahren aufbewahrt. Das Archiv ist ein grossartiger Fundus – es umfasst mehrere Räume mit Manuskripten und Verträgen, CD's, Bänder und Platten in übervollen Regalen sowie ein Geräuscharchiv.

Online können aus urheberrechtlichen Gründen nur selten Hörspiele angehört werden. Fragmente aus dem Hörspiel-Archiv möchten wir darum nun mittels transdisziplinären und ortsspezifischen Interventionen erschliessen. Dazu haben wir verschiedene Künstler und Künstlerinnen, Theater-Autoren und SchauspielerInnen eingeladen, mit uns an einem Projekt mitzuwirken.

Brunnenhofstrasse 22, 8057 Zürich

Darum geht’s

Das Ausstellungsprojekt haben wir – das freischaffende Kuratoren-Duo Jill Keiser und Nora Hauswirth – entwickelt. Dank der Unterstützung des SRF können vom 8. bis 15. Mai die Schränke und Kisten im Archiv an der Brunnenhofstrasse 22 in Zürich geöffnet werden. Mit verschiedenen Kunst-Installationen und kleinen theatralen Darbietungen wird den Besuchern eine Führung durch die SRF Studios ganz besonderer Art geboten. Die Archiv-Räume werden für kurze Zeit eingenommen und belebt und Fragmente aus dem Archiv werden hörbar gemacht.

In Theater-Sequenzen wird die Möglichkeit geboten, einerseits in eine Hörspiel-Produktion einzutauchen und andererseits einer Hauptfigur aus einer nicht-gesendeten Hörspiel–Produktion nachzuspüren, die mit dem Archivar in Konflikt steht.

Regie: Karin Berri, Text-Autor Theater Michael Hasenfuss

Schauspieler: Daniel Ludwig, Dagmar Bock und weitere

Die Künstler der Ausstellung

Alexander Tuchacek betrachtet das Archiv als lebendigen Wissenspool, wobei durch Beteiligung der Besucher ein vielstimmiges Neu-Lesen des Archivs entsteht. Er wird im Eingangsbereich des Radiostudios ein Mikrofon mit einem Computer-Terminal aufbauen. Die Besucher können Teile von ausgewählten Hörspielen Wort für Wort einsprechen. Und was daraus entsteht? Darauf darf man gespannt sein.

Grauton (Karen Geyer) verbindet Klangkunst mit Oral History Erzählungen. Für Wiederschall gestaltet sie eine Soundinstallation mit selbst gebauten Instrumenten, dazu liest u.a. die ehemalige und langjährige Radiomitarbeiterin Elisabeth Schnell aus Hörspielmanuskripten und erzählt aus ihrem Radioleben.

Romy Rüegger erschafft mit Material aus dem Geräuscharchiv, den Karteikarten aus dem Lektriever und dem Wissen einer Archivarin einen performativen Raum, der Sprache als Verbindung kleinster rhythmischer und non-verbaler Teile begreift. In ihrer Arbeit fragt sie danach, inwiefern die im Archiv aufbewahrten Einzelteile durch dessen Ordnungssysteme zu einer linearen Zeitlichkeit verschmolzen werden – was diesem Verständnis von Geschichtsschreibung und Kulturgut dabei entgeht und wer uns «die wir nach ihnen suchen» entsprechend fehlt.

Simon Grab verwendet die Elemente, welche in den Aufnahmen einer Hörspielproduktion keine Verwendung finden: Die falschen Takes, die lauten Schnaufer, das Husten des Sprechers, Fehler in den Aufnahmen, Stille. Er lässt diese weggeworfenen Fragmente neu erklingen. Der Abfall erzählt dadurch seine eigene Geschichte; so wie alles, was nicht Eingang ins Archiv findet, eine eigene Geschichte erzählt.

Cora Piantoni untersucht das Bildarchiv und fokussiert dabei auf die ganz besondere Körperhaltung der fotografierten Schauspieler die durch die Enge des Aufnahmestudios und die Konzentration auf den Ton entstand. Nebst diesen historischen Bildern darf man auch gespannt sein wie Cora Piantoni die verschiedenen Archivräume in einer Video-Projektion zusammenbringt.