Darum geht’s

«Fondü Türkiye» erzählt die Geschichte dreier türkischstämmiger Männer. Sie sind in der Schweiz aufgewachsen, aber wegen Straftaten in die Heimat ihrer Eltern ausgewiesen worden – die Türkei. Mit der Verbannung nach ihrer abgesessenen Haft werden sie doppelt bestraft. Sie leben in einem Land, das nicht das ihre ist. In einem Land, das sich gerade in rasantem Tempo Richtung Diktatur bewegt und ihnen fremder wird denn je. Gemeinsam versuchen sie im Exil an ihrer Schweizer Identität und Lebensweise festzuhalten. Alle drei haben nur ein Ziel vor Augen – die Rückkehr in die Schweiz. Der Film dringt in ein verborgenes Milieu und offenbart dabei unbekannte Folgen einer Migrationspolitik, die Menschen vorgibt, wo ihre Heimat zu sein hat und diese nicht durch ihre Identität, sondern durch den Besitz eines Passes definiert. Was passiert mit einem Menschen, der unfreiwillig aus seiner eigentlichen in seine angebliche Heimat verbannt wird? Und wie entsteht Identität? «Fondü Türkiye» geht diesen Fragen anhand seiner Protagonisten und ihren Geschichten auf den Grund.

Ein Dokumentarfilm von Jonas Schaffter - Produktion: soap factory GmbH, Basel - Koproduktion: Zürcher Hochschule der Künste - Kamera: Simon Denzler - Montage: Selin Dettwiler - Dauer: 90 Min. - Sprachen: D/TR

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Motivation, Jonas Schaffter (Regie)

Schon seit Jahren beschäftigt mich in meiner gestalterischen Arbeit der soziokulturelle Austausch. In meinen vorwiegend fotografischen und filmischen Arbeiten ging es mir stets darum, Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zu porträtieren und sie durch die jeweilige Präsentationsform anderen Menschen zugänglich zu machen. Im Fall von «Fondü Türkiye» sind dies nun türkische Secondos, die unfreiwillig die Schweiz Richtung Türkei verlassen mussten. Die Schweiz hat in den letzten Jahren politisch einen Rechtsrutsch durchlebt. Das hat auch Einfluss auf den Umgang mit straffälligen Ausländern. Mittlerweile reicht eine Gefängnishaft von wenigen Monaten, um aus der Schweiz ausgewiesen zu werden. Obwohl die Diskussion um die Handhabung von Kriminellen in der Schweiz omnipräsent ist, weiss praktisch niemand, was mit den Menschen geschieht, die in ihre angebliche Heimat ausgewiesen werden. Ausgerechnet in der Türkei habe ich eine Seite der Schweiz kennengelernt, von der ich vorher noch nichts geahnt habe. Diese Seite will ich nun weiter ergründen. Ich möchte dem Betrachter nicht meine politische Meinung aufdrängen, sondern mit Neugier, einem offenen Geist und viel Sorgfalt meine Protagonisten beobachten, um davon zu erzählen, was es bedeutet, unfreiwillig in eine Heimat abgeschoben zu werden, die einem fremd ist und was für Auswirkungen dies auf die Identität eines Menschen hat. Bei diesem Film geht es mir in erster Linie um den Menschen und seine Innenwelt. Der Film soll sich mit Individuen auseinandersetzen, anstatt zu pauschalisieren, und neue Aspekte in die Diskussion über den Umgang mit straffälligen Secondos in der Schweiz ohne Schweizer Pass einbringen. Selbstverständlich ist dies eine schweizerisch-türkische Geschichte. Und trotzdem ist diese Story Teil eines viel grösseren Themas. Wir leben in einer Zeit, in der unsere Identitäten immer unschärfer und vermischter werden. Es gibt nicht mehr den Schweizer, den Deutschen, den Norweger. Während unsere Prägung immer multikultureller wird, bauen wir aber immer mehr Grenzen und Mauern. In solchen Zeiten bedarf es einer differenzierten Auseinandersetzung mit Themen wie Heimat und Identität.

Content

Dafür brauchen wir Unterstützung

Obwohl wir mittlerweile einen grossen Teil der Finanzierung zusammen haben, brauchen wir Eure Unterstützung, um die letzen Dreharbeiten auszuführen und den Film fertigstellen zu können. «Fondü Türkiye» behandelt vordergründig ein politisch hochaktuelles und kontroverses Thema – die Ausschaffung von straffällig gewordenen Türken aus der Schweiz –, führt aber gleichzeitig zu grösseren Fragen, die so brisant wie zeitlos sind. Heimat und Fremde, das Pendeln zwischen verschiedenen Kulturen, gelebtes Selbstverständnis versus politisch definierte Identität, die Angemessenheit einer Strafe versus das Sicherheits- und Rachebedürfnis der Bevölkerung, das sind Themen, die seit vielen Jahren den politischen Diskurs prägen. Jonas Schaffter und sein Team nähern sich diesen Themen anhand von spannenden, einnehmenden Protagonisten, lebendigen Geschichten und beeindruckenden Bildern. Und mit Eurer Hilfe schafft es dieses Projekt auf die Kinoleinwand!