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Ein Paris-Roman der etwas spezielleren Art…

Der Roman «Der blaue Faden. Pariser Dunkelziffern» spielt im Hitzesommer 2003. Ort der Handlung ist eine Pariser Mansarde, aus der es zunächst noch ein paar Auswege gibt: in die Strassen von Paris, ins Internet, in die Vergangenheit der Heldin, d.h. nach Genf und Wien und an den Bodensee. Hinzu kommen reale und virtuelle Begegnungen mit fremden Männern und einer ziemlich ungewöhnlichen Concierge. Doch die mysteriöse Hitze nimmt weiter zu, die Atmosphäre wird klaustrophobischer, das Erzählen zunehmend fragmentarisch. Zentrales Thema des Romans ist das Warten, in all seinen alltäglichen, aber auch existenziellen und kulturgeschichtlichen Erscheinungsweisen. Es geht um Zeit und Geschichte: historisch, philosophisch, physikalisch, mathematisch und zwischenmenschlich, um Liebe und Tod und den Wahnsinn des Lebens.

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Warum Crowdfunding?

Engagierte, kleine Literaturverlage haben es nicht leicht. Um ein künstlerisch anspruchsvolles Programm herauszugeben, sind sie auf Subventionen angewiesen. In der Schweiz sind das vor allem kantonale Fördergelder. Diese Zuwendungen sind an den Heimatort bzw. den Wohnsitz des oder der jeweiligen Autor/-in gebunden. Auf den ersten Blick macht diese Regelung durchaus Sinn. Im Fall der im Waadtland lebenden Autorin Sabine Haupt (Heimatgemeinden: Lausanne und Genf) führt das jedoch dazu, dass sie keine Chance auf Fördergelder hat. Denn deutsch schreibende Autoren werden in einem französischsprachigen Kanton ausdrücklich nicht unterstützt. Dasselbe gilt für ihren in Biel ansässigen Verlag. Denn was bei der Vergabe von Fördergeldern zählt, ist nicht der Sitz des Verlags, sondern allein der jeweilige Wohnort des/der Autor/-in.

Um den Roman von Sabine Haupt dennoch wie geplant im Frühjahr 2018 erscheinen zu lassen, haben Autorin und Verlegerin beschlossen, zu einer im Verlagswesen eher ungewöhnlichen Massnahme zu greifen: dem Crowdfunding. Ganz so neu ist dieses Vorgehen nun allerdings auch wieder nicht: Früher sprach man in solchen Fällen etwas vornehmer von ,Subscription’. Die Druckkosten belaufen sich bei dem relativ umfangreichen Roman (ca. 500 Seiten) auf etwas über 5800.– CHF, 10% behalten die Betreiber der Plattform, deswegen wurde das Crowfunding-Ziel auf 6380.– CHF festgelegt.

Es wäre wirklich wunderbar, wenn sich das strukturelle Problem, im «falschen» Kanton zu wohnen bzw. in der «falschen» Sprache zu schreiben, auf diese Weise beheben liesse …

Und noch etwas: Falls mehr als 6400 CHF zusammenkommen (träumen ist ja erlaubt …), könnte damit Sabine Haupts nächster Roman mit dem Arbeitstitel «Zement» gefördert werden. 50 Seiten sind bereits geschrieben …

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Der Bieler «verlag die brotsuppe» ist ein unabhängiger Buchverlag für Belletristik, der jährlich bis zehn neue Titel produziert. Der Schwerpunkt liegt auf inhaltlich und ästhetisch anspruchsvollen Büchern. Der Verlag wurde 1998 von der Bielerin Ursi Anna Aeschbacher in Deutschland gegründet und ist 2003 nach Biel umgezogen. Zu ihrem etwas ungewöhnlichen Verlagsnamen kam die Verlegerin auf folgende Weise: «Den Namen habe ich gefunden, nachdem ich den Film «Babettes Fest» gesehen hatte. Er handelt von couragierten Frauen, von ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten und auch davon, wie eine gute Brotsuppe im Gegensatz zu einer schlechten dabei hilft, sich zu begegnen, die Welt zu «begreifen», Wissen weiterzugeben, sich zu erinnern, zu debattieren, zu denken, sich auszudrücken, zu streiten, das Leben in die Hand zu nehmen, mit anderen etwas daraus zu machen, sich zusammen etwas auszudenken, zu verändern, Abenteuer zu erleben. Und was anderes machen Bücher? Also dachte ich, einer gut gekochten Brotsuppe folgt, was ein Verlag nach der Veröffentlichung seiner Titel auch gerne haben möchte. Und der Name glitzert und funkelt nicht so, wie heutzutage alles glitzert und funkelt.»

verlag die brotsuppe Schwadernauweg 12, CH-2504 Biel/Bienne Telefon +41 78 789 20 75
Fax +41 (0)32 323 36 33

Website: http://www.diebrotsuppe.ch E-Mail: info@diebrotsuppe.ch

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Was sagen Kritiker/-innen zu den Texten von Sabine Haupt?

«Sabine Haupt gelingt das feministische Glanzstück, als Frau ironisch und selbstironisch über den (post)modernen Geschlechtertanz zu schreiben.» Birgit Dahlke über «Eunuchen-Glück», in: «neue deutsche Literatur» ndl (Berlin).

«Sabine Haupts Kritik am Mann ist nicht, wie so oft, denkschwache Verlegenheitspose und Behauptung, sondern sprachliches Programm und Demontage, eine liebevoll boshafte Parabel auf das Männliche in der Frau und umgekehrt, auf Geburtsängste und das Sich-schreibend-zur-Welt-bringen-Wollen». Martin R. Dean über «Eunuchen-Glück», in: Basler Zeitung.

«Weit mehr noch als das Weltwissen der Autorin beeindrucken ihr sensibles Gespür für treffende Worte, Wendungen und Begriffe, ihre Stilsicherheit und ihre Fabulierkunst. Denn Sabine Haupt erzählt nicht selten auch metaphorisch, dabei die Bedeutungsebenen postmodern schillernd verschlingend. Sie verwebt Narration und Reflektion in einem engen Geflecht, legt ihren Figuren originelle Thesen in den Mund und lässt eine Erzählinstanz auch schon einmal mit Größen der Philosophiegeschichte streiten.» Rolf Löchel über «Blaue Stunden. Kleine Quadratur der Liebe», in: literaturkritik.de.

«Die Sprachgewalt in Sabine Haupts Geschichten trotzt jeder Macht des Kanons. Wenn Haupt erfahrbar macht, «was in der Tiefe liegt», lässt sie an Fritz Lang denken, E.T.A. Hoffmann zeigt sich in menschlicher Konservierung, auch wenn diese bei Haupt nicht in Falun stattfindet. Doch während die Geschichten subtil all diese Assoziationen wecken, verlieren sie nie ihren ganz eigenen Ton.» Pia Soldan über «Blaue Stunden. Kleine Quadratur der Liebe», in: «Am Erker» (Münster).