Danke!By IG Transparenz, on 1/10/2021 09:44

Liebe Unterstützer:innen

Im Namen der IG Transparenz bedanke ich mich herzlich für euere Unterstützung! Gerne lassen wir euch die Belohnungen zukommen. Bleibt weiterhin im Kontakt mit uns durch den Newsletter! Link: bit.ly/39THIuD Da werden wir auch über die Videopremiere und Buchvernissage am 18. November berichten.

Mit besten Grüssen

Heinz Nigg

Liste der Belohnungen: 16 Premiere und Vernissage / 25 Das Buch zum Video / 14 Schwarzbuch Bührle / 19 VIP-Tickets / 15 Ausstellungsbesuche / 14 30 Sekunden Video mit Namensnennung / 03 Gönner:innen mit Namensnennung im Video

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Wie sich mit dem Holocaust auseinandersetzen? Teil 2By IG Transparenz, on 27/9/2021 13:31

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Liebe Unterstützer:innen

Heute lassen wir euch die zweite Folge eines Interviews mit der Kulturvermittlerin Renate Amuat zukommen.

LERNFELD SCHULE

Heinz Nigg: In unserem Gedenkvideo und Buch über Opfer des Nationalsozialismus mit Zürich-Bezug hast du am Kommentar und den Erzählstimmen mitgearbeitet. Dein Beitrag bestand darin, den Opfern ein Gesicht, eine Stimme zu geben. Damit man sich mit ihnen identifizieren kann. Bei den Opfern geht es um Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche aus den verschiedensten Gesellschaftsschichten und sozialen Milieus. Was müssen wir unternehmen, damit mit dem Video und dem Buch in den Schulen gut gearbeitet werden kann?

Renate Amuat: Wichtig ist die Altersgrenze. Dieses Video mit dem Buch dazu eignet sich für Jugendliche ab der Oberstufe. Die Lebensläufe der Porträtierten im Video bieten einen guten, niederschwelligen Einstieg ins Thema, auch für Erwachsene. In diese Lebensläufe sind bewusst nicht zu viele Fakten hineingepackt, die versuchen zu erklären, was damals während der Zeit des Nationalsozialismus in der Schweiz, in Deutschland und in Europa alles geschah. Ich stelle mir vor, dass Jugendliche in kleinen Gruppen herausfinden könnten, was sich hinter diesen Lebensgeschichten weiter verbirgt. Was war das für eine Zeit, in der diese Menschen lebten? Welche Gesetze galten damals? Wie gingen sie damit um? Was bedeutete es damals, wenn jemand schwul war und sich ins gleiche Geschlecht verliebte wie Josef Traxl? Dass Homosexualität damals verboten war, wissen die meisten Jugendlichen sicher nicht. Ich würde die Jugendlichen dies selbst herausfinden lassen, sie auf Recherche schicken. Die Lehrpersonen könnte man mit einem Faktenblatt zusätzlich unterstützen, mit Hinweisen zur Zeitgeschichte und wie mit dem Video und Buch gearbeitet werden kann. Ich selbst würde zuerst mit den Jugendlichen zusammen das Video anschauen und sie dann eine Person wählen lassen, die sie näher kennenlernen möchten. Im Buch können sie dazu das entsprechende Kapitel lesen und dann im Internet weiter recherchieren.

Heinz Nigg: Werden unser Video und Buch auf ein Bedürfnis stossen?

Renate Amuat: Ich weiss nicht, was heute rund um den offiziellen Holocaust-Gedenktag am 27. Januar in den Schulen läuft. Ob diese noch junge Tradition lebendig ist oder neuen Auftrieb braucht? Da könnte zum Beispiel ein Video und Buch wie «entrechtet – beraubt – erinnert» gut eingesetzt werden.

Heinz Nigg: In unserer Arbeit werden Menschen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten und kulturellen Milieus porträtiert. Werden die Jugendlichen verstehen, weshalb Sammlerinnen und Sammler von Kunstwerken, die ihnen geraubt oder abgepresst wurden, neben Menschen stehen, die wegen ihrer ethnischen, kulturellen, sozialen und politischen Zugehörigkeit flüchten mussten, ermordet wurden oder Zwangsarbeit verrichten mussten?

Renate Amuat: Diese unterschiedlichen Schicksale verbinden sich durch den Bezug zu Zürich und durch die Zeitgeschichte. Menschen waren aus verschidenen Gründen der Verfolgung durch den Nationalsozialismus ausgesetzt. Auch in der Schweiz geschah Unrecht. Das deutlich zu machen ist wichtig. Da ist dieses erschütternde Beispiel von Lea Berr, die in Zürich geboren wurde, einen Franzosen heiratete, ihr Schweizer Bürgerrecht verlor und nach dem Einmarsch der Deutschen in Frankreich mit ihrem Kind nach Auschwitz deportiert und ermordet wurde. Warum hat die Schweiz sie nicht geschützt – und was war das für ein unmenschliches Gesetz?!

Unrecht geschah gegenüber Schwulen und jungen Menschen, die sich politisch engagierten. Unrecht geschah jüdischen Sammlerinnen und Sammlern, denen man Kunstwerke abnahm. Unrecht geschah Frauen, die für einen Schweizer Waffenfabrikanten Zwangsarbeit in Nazi-Deutschland leisten mussten. Und mit dem – von den Frauen erwirtschafteten – Geld kaufte der Waffenfabrikant Emil Bührle, Kunstwerke für seine Sammlung.

Heinz Nigg: Es gilt also den Teufelskreis von Unrecht und Bereicherung transparent zu machen. Und aufzeigen, dass diese Mechanismen auch heute wirksam sind – in ähnlichen Zusammenhängen und auf ähnliche Weise.

Renate Amuat: Das Thema Recht und Unrecht bewegt Kinder früh. Schon Primarschülerinnen und -schüler sind damit vertraut. Kinder sagen oft mit sicherem Gespür: Das ist aber ungerecht! Alle Lebensgeschichten in diesem Video und Buch können aus der Perspektive von Recht und Unrecht beleuchtet und verstanden werden. Und wie sich Kinder und Jugendliche zu Fragen von Recht und Unrecht Menschen gegenüberstellen, das weist in die Zukunft.

Das Crowfunding läuft noch bis und mit Mittwoch, 29. September. Wir haben inzwischen das Ziel erreicht, sind jedoch weiterhin froh um Beiträge, um den Vetrieb von Video und Buch «entrechtet – beraubt – erinnert» zu finanzieren. Danke!

Link teilen: https://wemakeit.com/projects/entrechtet-beraubt-erinnert

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Wie sich mit dem Holocaust auseinandersetzen?By IG Transparenz, on 26/9/2021 16:56

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Liebe Unterstützer:innen

Heute und morgen lassen wir euch ein Interview mit der Kulturvermittlerin Renate Amuat zukommen.

Teil 1: Holocaust und Bildung

Heinz Nigg: Wie kann man Kinder mit dem Holocaust bekannt machen, damit sie davon etwas lernen?

Renate Amuat: Indem man sorgfältig schaut, was, wann und wie man etwas vom Holocaust, von der Shoa, erzählt. Auch muss das Alter der Kinder und Jugendlichen berücksichtigt werden und der konkrete Anlass. 1994 kam eine grosse Anne-Frank-Ausstellung von Amsterdam nach Zürich ins Stadthaus. Dabei war ich mitverantwortlich für das Rahmenprogramm. Für Kinder und Jugendliche boten wir Workshops an. Die Faszination für Anne Frank war und ist ungebrochen. Seit der Veröffentlichung ihres Tagebuchs, identifizieren sich Generationen von Jugendlichen mit dem Mädchen Anne Frank.

Heinz Nigg: Wie haben die Kinder und Jugendlichen damals auf die Ausstellung reagiert?

Renate Amuat: Die Geschichte von Anne Frank hat sie betroffen gemacht. Anne sprach zu ihnen aus einer vergangenen Zeit, aber so direkt, wie eine Freundin, wie wenn sie heute noch leben würde. Heinz Nigg: Und wie habt ihr es geschafft, dass die Kinder mit dem schrecklichen Tod von Anne Frank umgehen konnten? Susan Sonntag hat einmal über die Wirkung von Fotos aus deutschen Konzentrationslagern auf sie als 12-Jährige geschrieben: «Als ich diese Fotos betrachtete, zerbrach etwas in mir. Eine Grenze war erreicht, und nicht nur die Grenze des Entsetzens; ich fühlte mich unwiderruflich betroffen, verwundet, aber etwas in mir begann sich zusammenzuballen; etwas starb; etwas weint noch immer.»

Renate Amuat: Indem wir sorgfältig damit umgingen, welche Bilder wir in der Ausstellung den Kindern und Jugendlichen zeigten und was wir nicht zeigten.

Heinz Nigg: Was habt ihr nicht gezeigt?

Renate Amuat: Vieles! In der Arbeit an diesem Thema mit Kindern und Jugendlichen ist das Erzählen und auf ihre Fragen eingehen oft wichtiger und besser geeignet als die Information über schreckliche Bilder und einer Überfülle an Fakten. Wir zeigten z.B. keine Fotos und Filmausschnitte von den Konzentrationslagern unmittelbar nach der Befreiung.

Heinz Nigg: Da geht es um Berge von Leichen, um ausgemergelte Gesichter und Gestalten, dem Tod geweiht. Renate Amuat: Schockieren ist in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen unangebracht. Und dennoch, Anne Frank wurde deportiert und starb in einem Konzentrationslager. Heinz Nigg: Und wie arbeitest du mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen?

Renate Amuat: Der Historiker Peter Gautschi und ich konnten 2010 ein Austauschseminar organisieren mit Yad Vashem, der Holocaust-Gedenkstätte in Israel. Unterstützt wurde das Projekt von den Pädagogischen Hochschulen Luzern und Zürich und der Erziehungsdirektorenkonferenz des Bundes. Es war der erste offizielle Besuch von Studierenden aus der Schweiz in dieser Gedenkstätte der Shoa. Mit dabei waren junge Erwachsene, zukünftige Lehrerinnen und Lehrer, die eigene Fragestellungen entwickelten und selbst recherchierten. Wir waren eine Woche in Jerusalem und konnten mit vielen Leuten sprechen. Ich denke, dass Austausch und Begegnung wichtig sind, um sich mit dem Holocaust zu befassen. Du musst dich einlassen auf konkrete Lebensgeschichten. In Yad Vashem wird die Geschichte aus Opfersicht gezeigt mit vielen Erinnerungsobjekten und -dokumenten. Man bewegt sich auf einem chronologisch angelegten Weg wie durch einen Tunnel und am Schluss tritt man wieder ans Licht.

Heinz Nigg: Welche Wirkung hatte diese Reise an eine Gedenkstätte auf die Studierenden?

Renate Amuat: Sie haben sich nach dem Aufenthalt in Israel in der Schule weiter mit der Thematik befasst. Am 27. Januar wird an die Befreiung von Auschwitz erinnert. Das ist auch in der Schweiz der offizielle Gedenktag an den Holocaust. Die Studierenden haben in verschiedenen Schulhäusern mit den Schülerinnen und Schülern Erinnerungsprojekte realisiert. Sie haben Überlebende der Verfolgung eingeladen. Heute leben nur noch wenige Zeitzeugen. Deshalb ist es wichtig, dass wir neue Formen finden, um die Erinnerung wachzuhalten. Dabei werden auch neue Methoden der Vermittlung ausprobiert, von denen wir noch nicht wissen, ob sie sich bewähren. So werden im NS-Dokumentationszentrum in München in einem Forschungsprojekt virtuelle Interviews, eine Art Hologramme, entwickelt, wo die Personen sogar befragt werden können. Wir haben – auch in der Schweiz – eine gesellschaftliche Verantwortung und müssen uns mit diesem schrecklichen historischen Erbe auseinanderzusetzen. Wenn wir Kinder und Jugendliche miteinbeziehen, müssen wir sehr sorgfältig und überlegt vorgehen. Sie sollen nicht von Emotionen überwältigt werden und ratlos zurückbleiben.

Heinz Nigg: Ich danke dir für das Gespräch!

Das Crowfunding für unser Erinnerungs- und Gedenkprojekt läuft noch bis und mit Mittwoch, 29. September. Link: https://wemakeit.com/projects/entrechtet-beraubt-erinnert

Für die IG Transparenz

Heinz Nigg

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Warum erinnern?By IG Transparenz, on 23/9/2021 18:25

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Liebe Unterstützer:innen

Warum gedenken wir der Opfer des Nationalsozialismus? Das liegt doch lange zurück! Das fragte mich neulich ein Freund. Es gäbe doch so viel heute zu tun: gegen die unmenschliche europäische Flüchtlingspolitik und für mehr Solidarität mit den Bootsflüchtlingen auf dem Mittelmeer. Stimmt, sagte ich ihm, aber kann man nicht einfach beides tun, erinnern, gedenken und heute handeln? Anbei zu diesem Thema ein Auszug aus einem Interview, das in unserem Buch erscheint.

Das Buch ist heute aus dem Lektorat zurückgekommen. Esther Hürlimann hat einen super Job gemacht. Jetzt geht das Buch in die Gestaltung und in den Satz.

Es bleiben sechs Tage fürs Crowdfunding. Wenn alle 88 unterstützende Personen jeden Tag eine Person anschreiben oder «antelefonieren», die 20 Franken spendet, erhalten wir nach Adam Riese in 6 Tagen wieviel Geld? Ja, genau: 10’560 Franken! Also los! -:)

Für die IG Transparenz

Heinz Nigg

WAS BEDEUTET ERINNERN UND GEDENKEN HEUTE?

Auszug aus einem Gespräch mit Dina Wyler, Geschäftsführerin der Stiftung GRA gegen Rassismus und Antisemitismus und dem Historiker Jakob Tanner

Heinz Nigg: Stimmt mein Eindruck, dass der Zweite Weltkrieg und die Rolle der Schweiz im Umgang mit dem Völkermord wieder mehr Thema wird?

Dina Wyler: Ich denke schon, dass man das so sagen kann. Die Debatte über den Zweiten Weltkrieg und die Shoah geht auf und ab. Wichtig ist, dass auch 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs darüber gesprochen wird. Gegenwärtig ist eine Art Umbruchstimmung zu beobachten: Wie gehen wir mit dem historischen Erbe um? Wie gehen wir mit Ausstellungen um, mit Kunst aus dieser Zeit? Wie sorgen wir dafür, dass die Erinnerungen an die Opfer wach bleiben, jetzt, da viele Zeitzeuginnen und Zeitzeugen nicht mehr über das Erlebte sprechen können?

Heinz Nigg: Jakob, du beobachtest als Historiker seit langem die Auseinandersetzung mit dem Holocaust, mit der Shoah. Wie beurteilst du den Stand der Debatte in der Schweiz?

Jakob Tanner: Es gibt Konjunkturen in dieser Auseinandersetzung. Diese ist zurzeit wieder intensiver geworden. Es gibt neben der Sammlung Bührle und den Stolpersteinen auch noch die Debatte um ein nationales Denkmal. Zudem ist ein Buch über Schweizer KZ-Opfer erschienen. Das Problem, dass wir jetzt in einer Zeit leben, in der die Zeugenschaft kaum mehr da ist, sehe ich auch. Die Erinnerung wird weiter medialisiert, und wir müssen den Rückblick auf diese Zeit auf ein digitales Zeitalter hin umbauen. Das ist eine enorme Herausforderung: Wie kann man diese sehr persönlichen Schreckenserfahrungen an eine neue Generation weitervermitteln? Ebenfalls zu beobachten ist ein unsäglicher geschichtspolitischer Revisionismus. Wir haben in ganz Europa eine neue Rechte, die sich nationalistisch gebärdet und rasch rechtsextrem wird. Da gibt es einen Björn Höcke, der von einer «erinnerungspolitischen Wende von 180 Grad» spricht. Und ein weiterer AfD-Exponent, Alexander Gauland, erklärte, die Nazi-Zeit sei nur «ein Vogelschiss in über tausend Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte» gewesen. Das sind absolut skandalöse Aussagen. Da braucht es Gegenbewegung, auch Gegenwehr. Da sind wir als Bürgerinnen und Bürger einer demokratischen Öffentlichkeit gefordert. Das können wir nicht einfach wegstecken.

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Uns erinnern und der Opfer gedenken!By IG Transparenz, on 21/9/2021 09:45

Liebe Unterstützerin und Unterstützer

Jetzt sind wir 76 Leute, die das Gedenk- und Erinnerungsprojekt «entrechtet – braubt – erinnert» unterstützen. Stand: 6’625 Franken.

News aus dem Tages-Anzeiger (21.9.21). Erich Keller, der Autor des neuen Bührle-Buchs, liegt ganz auf unserer Linie. Wir zitieren: «Eine Erinnerungspolitik darf sich nicht auf die Täter, also auf Bührle, fixieren, sondern muss den Opfern, den verfolgten Juden, eine Stimme geben.»

Deshalb: Jetzt das Crowdfunding subito unterstützen und den Link teilen, es bleiben noch 8 Tage! https://wemakeit.com/projects/entrechtet-beraubt-erinnert

Mit besten Grüssen Für die IG Transparenz: Thomas Buomberger, Markus Knauss, Guido Magnaguagno und Heinz Nigg

Korrespondenz: info@dokort.ch

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Hier der ganze Artikel:

Ein Waffenproduzent bleibt ein Waffenproduzent. Neues Buch zu Emil Bührle. In drei Wochen stellt das Zürcher Kunsthaus die umstrittene Sammlung des Waffenfabrikanten aus. Historiker Erich Keller übt scharfe Kritik. Was ist an den Vorwürfen dran?

Christoph Heim

In weniger als drei Wochen öffnet das Kunsthaus Zürich seinen von David Chipperfield entworfenen Erweiterungsbau, in dessen Mittelpunkt die Sammlung Emil Bührle steht. Nicht zufällig legt der Berner Historiker Erich Keller jetzt ein Buch vor, das die Ausstellung der Bilder des Waffenproduzenten Bührle im Kunsthaus als amoralische, politisch und wirtschaftlich begründete Zwängerei schildert. Mit der Aufnahme der Sammlung ins Kunsthaus hatten Keller zufolge die Familie Bührle und ihre Fürsprecher in Politik und Kunstgesellschaft nur deshalb Erfolg, weil sie die Zürcher davon überzeugen konnten, dass die Sammlung Bührle im Kunsthaus den Standort Zürich enorm aufwerten würde. An einer Volksabstimmung im Jahr 2012 stimmten 53,9 Prozent der Zürcherinnen und Zürcher für das neue Kunsthaus, das die Sammlung Bührle ausstellen sollte.

1 Was ist neu an Erich Kellers Buch «Das kontaminierte Museum»?

«Das kontaminierte Museum» ist kein Forschungsbericht, wie er vom Historiker Matthieu Leimgruber 2020 vorgelegt wurde, der im Auftrag der Stadt Zürich die Sammlung Bührle in den historischen Kontext setzte. Keller arbeitete zwei Jahre in Leimgrubers Forschungsgruppe, trat dann aber unter Protest zurück, weil dieser Formulierungsvorschläge von Lukas Gloor, dem Direktor der Stiftung Emil Bührle, übernahm, die seiner Ansicht nach beschönigend waren. «Das kontaminierte Museum» ist ein politisches Manifest. Im Zentrum steht eine soziopolitische Kontextualisierung der Sammlung Bührle, die um das Jahr 2000 eine wichtige Rolle in der Zürcher Stadtentwicklung zu spielen begann, die nun mit der Integration der Sammlung ins Kunsthaus ihren Höhepunkt erreicht. Kellers Buch gipfelt in der Forderung, dass die Ausstellung im Kunsthaus zu einem Erinnerungsort werden soll, einem «lieu de mémoire» im Gedächtnis an die Nazigräuel, für welche die Schweiz mitverantwortlich sei.

2 Warum ist die Bührle-Sammlung «kontaminiert»?

Die Sammlung Bührle ist laut Erich Keller kontaminiert, also historisch belastet, weil die insgesamt 633 Werke mit den Gewinnen aus Waffengeschäften und aus der Arbeit von Zwangsarbeiterinnen von Emil Bührle erworben wurden. Zudem habe Bührle auch von der Not der jüdischen Sammler profitieren können, die von den Nazis verfolgt wurden und die ihre Vermögenswerte veräussern mussten. Für Lukas Gloor, den Direktor der Stiftung Sammlung Bührle, ist dieser Vorwurf in seiner Pauschalität schlicht falsch. Der weitaus grösste Teil der Sammlung stamme nämlich nicht aus jüdischem Vorbesitz, wie Gloor in einem Statement zum Buch von Keller festhält. Zudem musste Bührle nach dem Krieg 13 Raubkunstbilder restituieren. Neun Bilder kaufte er den ehemaligen Besitzern umgehend wieder ab, sieben davon befinden sich in der Stiftung. Gloor betont, dass sich auf dem Kunstmarkt der 1930er-Jahre auch viele Werke befanden, die von deutschen Sammlern stammten, die wegen der Inflation und der Weltwirtschaftskrise verarmten und ihre Bilder verkauften.

3 Gibt es Raubkunst in der Sammlung Bührle?

Konkret geht es Keller zum Beispiel um das Gemälde «Paysage» von Paul Cézanne, das Bührle 1947 bei der Galerie von Fritz Nathan erworben hat. Das Bild stammte aus dem Besitz des jüdischen Ehepaars Nothmann, das 1939 Deutschland verlassen musste und in die USA auswanderte. Um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, verkaufte Martha Nothmann unter anderem den Cézanne und zeigte sich in einem Brief an den Winterthurer Industriellen Oskar Reinhart 1947 glücklich darüber, dass dieses Bild in guten Händen sei. Sie wusste nicht, dass nicht Reinhart, sondern Bührle durch Vermittlung Nathans in den Besitz des Bildes gekommen war. Keller plädiert dafür, dass bei Bildern wie «Paysage» die Geschichte der jüdischen Verkäufer, die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung waren, stärker gewichtet werde. Es bestehe eine moralische Pflicht, das Bild zu restituieren, was Gloor vehement in Abrede stellt, da der Kauf rechtlich einwandfrei gewesen sei.

4 Warum misstraut Keller dem Direktor der Bührle-Stiftung?

Keller bezweifelt, dass sich heute keine Raubkunst mehr in der Sammlung der Bührle-Stiftung befindet, wie das der Direktor der Stiftung, Lukas Gloor, behauptet. Da Gloor Angestellter der Stiftung sei, könne von einer objektiven Forschung nicht die Rede sein. Kellers Urteil steht diametral entgegengesetzt zu jenem von Esther Tisa Francini, einer renommierten Provenienzforscherin, die am Museum Rietberg in Zürich arbeitet und sich im Rahmen der Bergier-Kommission mit der Herkunft der Bilder in den Schweizer Museen beschäftigte. Sie sagte am vergangenen Samstag in einem Beitrag des «Echos der Zeit», dass an Gloors Provenienzforschung nichts auszusetzen sei.

5 Was wird im Buch gefordert?

Zur Ausstellung der Bührle-Bilder im Kunsthaus Zürich gibt es ein Dokumentationszentrum, das die Person des Sammlers kritisch vorstellt und die Geschichte der Sammlung nacherzählt. Die Bilderausstellung selbst wird aber frei bleiben von historisierenden Texten, weil das Kunsthaus befürchtet, damit den Kunstgenuss zu stören. Erich Keller kritisiert, dass das Dokumentationszentrum den Fokus zu wenig auf die jüdischen Menschen richte, die ihre Bilder hätten verkaufen müssen. Er kommt zum Schluss: «Am Heimplatz ist ein neuer Erinnerungsort entstanden, die Sammlung Bührle ist sein trotziges Gravitationszentrum.» Und fragt rhetorisch: «Aber wen wird dieser Erinnerungsort im Gedächtnis behalten?» Die Antwort: Eine Erinnerungspolitik darf sich nicht auf die Täter, also auf Bührle, fixieren, sondern muss den Opfern, den verfolgten Juden, eine Stimme geben.

6 Was leistet das Buch?

Mit der Integration der Bührle-Bilder in die Sammlung des Kunsthauses sollte auf symbolischer Ebene auch eine Rehabilitation des Sammlers und Waffenproduzenten Emil Bührle stattfinden. Das jedenfalls erhoffen sich die Nachkommen von Bührle, was man in der Sammlungsbiografie von Lukas Gloor nachlesen kann. Und das erhoffen sich auch jene bürgerlichen Kreise, die sich, wie Matthieu Leimgruber zeigte, schon lange für eine Integration der Sammlung ins Kunsthaus einsetzen. Wer Erich Kellers Buch liest, dem wird klar, dass von einer Rehabilita-tion Bührles trotz der Aufnahme seiner Sammlung in das Kunsthaus nie und nimmer die Rede sein kann. Dafür haben die vielen Bücher und Zeitungsartikel zur Causa Bührle gesorgt, die seit Ruedi Christens «Die Bührle-Saga» 1981 erschienen sind. Dafür sorgt nun auch Keller. Selbst 65 Jahre nach Bührles Tod ist sein Name derart kompromittiert, dass man noch so viele seiner Bilder im Kunsthaus aufhängen kann – der Kunstsammler Bührle bleibt immer auch ein Waffenproduzent.

Erich Keller: Das kontaminierte Museum. Das Kunsthaus Zürich und die Sammlung Bührle. Rotpunktverlag, 192 S., ca. 27 Fr. Erscheint am 25. September.

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Die Zeitung PS schreibt über uns. Und der Trailer ist da!By IG Transparenz, on 17/9/2021 11:22

Liebe Unterstützerin und Unterstützer

Jetzt sind wir schon 63 Leute, die das Gedenk- und Erinnerungsprojekt «entrechtet – braubt – erinnert» unterstützen. Stand: 5000 Franken. Es wäre super, wenn Du den Link jetzt teilst, damit wir Hundert werden!

Auch die linke Zürcher Zeitung PS ruft dazu auf das Video- und Buchprojekt «entrechtet – beraubt – erinnert» zu unterstützen. Zitiert wird Jakob Tanner, der ein Erinnern gegen Rechts fordert: «Wir haben in ganz Europa eine neue Rechte, die sich nationalistisch gebärdet und rasch rechtsextrem wird. Da gibt es einen Björn Höcke, der von einer «erinnerungspolitischen Wende von 180 Grad» spricht. Und ein weiterer AfD-Exponent, Alexander Gauland, erklärte, die Nazi-Zeit sei nur «ein Vogelschiss in über tausend Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte» gewesen. Das sind absolut skandalöse Aussagen. Da braucht es Gegenbewegung, auch Gegenwehr. Da sind wir als Bürgerinnen und Bürger einer demokratischen Öffentlichkeit gefordert. Das können wir nicht einfach wegstecken.»

https://www.pszeitung.ch/gedenken-an-ein-dunkles-kapitel/?fbclid=IwAR3_Zak0V7V7dnyqAPLMlA5C66IW7RpT9ZlKOQ0TYklWGvpFmDFzHYZHTDM

Und hier ist der Trailer zum Video, der uns heute vom Gestalter Frank Hyde-Antwi zugestellt wurde. Danke Frank!

Mit besten Grüssen

Für die IG Transparenz: Thomas Buomberger, Markus Knauss, Guido Magnaguagno und Heinz Nigg

Korrespondenz: info@dokort.ch

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Schon ein schöner Batzen ist beisammen!By IG Transparenz, on 13/9/2021 18:40

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Liebe Unterstützer:innen

Jetzt haben schon 56 Leute gespendet. Es liegen 4000 Franken auf dem Konto. Ihr könnt die Kampagne weiter unterstützen, indem ihr den Link zirkulieren lässt, per Mail und Social Media!

Link: https://wemakeit.com/projects/entrechtet-beraubt-erinnert

Wenn jede:r von euch noch jemanden vom Projekt überzeugt, sind wir dem Finanzierungsziel schon einen riesen Schritt näher. Danke!

Die Arbeit am Video und Buch kommt gut voran. Letztes Wochenende waren Guido Magnaguagno und Heinz Nigg auf der Insel Brissago bei Ascona, wo Max Emden eine Villa hatte. Sie machten ein paar Fotos, die im Video Verwendung finden.

Anbei einige Angaben zu Max Emden und weshalb er als Opfer im Video und Buch «entrechtet-beraubt-erinnert» vorkommt.

Mit besten Grüssen

Für die IG Transparenz

Thomas Buomberger, Markus Knauss, Guido Magnaguagno und Heinz Nigg

Korrespondenz: info@dokort.ch

Max James Emden wurde 1874 geboren. Wohnhaft in Hamburg. Er war Unternehmer und Besitzer einer bekannten Kunstsammlung. 1933 übersiedelte er als verfolgter Jude in die Schweiz. Er stirbt 1940 in seinem selbstgewählten Exil.

Claude Monets Bild «Champ de coquelicots près de Vétheuil» leuchtet als eine Ikone des klassischen Impressionismus. Ab Ende der 1920er-Jahre hatte das Bild Max Emden gehört. Nach dessen Tod im Exil in Brissago (1940) ging es an seinen Sohn Hans Erich Emden über. Dieser verkaufte es mit 13 anderen Gemälden aus seinem lateinamerikanischen Exil. Der Käufer war der Kunsthändler Feilchenfeldt. Der Kauf wurde 1941 jedoch von Fritz Nathan vollzogen, da Walter Feilchenfeldt im Gegensatz zu Nathan noch keine Arbeitsgenehmigung in der Schweiz hatte. Beide kamen aus Deutschland und waren zuerst in St. Gallen und später in Zürich tätig – in unmittelbarer Nachbarschaft zu Bührles Wohnhaus. Die Erben fordern bis heute die Rückgabe dieses Bilds von Monet. Sie argumentieren, dass Hans Erich Emden unter Druck stand, das Bild zu verkaufen, um eine neue Existenz im Exil aufzubauen.

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Start gelungen!By IG Transparenz, on 1/9/2021 11:39

Liebe Unterstützer*innen

Heute ist der offizielle Start unserer Kampagne. Dank eurer Mithilfe liegt bereits ein Betrag von über 3000.– auf dem Konto!

Ihr könnt die Kampagne weiter unterstützen, indem ihr den Link zirkulieren lässt, per Mail und Social Media:

https://wemakeit.com/projects/entrechtet-beraubt-erinnert

Danke!

IG Transparenz

Korrespondenz: Heinz Nigg, nigg@av-produktionen.ch

P.S. Ein schöner Kommentar: «… weil endlich aufgedeckt und öffentlich gemacht werden muss, was seit 75 Jahren ’unter den Teppich gekehrt’ wird und heute verdeckt weitergeht: Kriegsmaterialexport, Kriegsgewinne, Zwangsarbeit, Rohstoff- & Kunstraub. Statement von René Lechleiter am 31.8.2021 21:36

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