Requiem für einen Bauernhof. Fotobuch im Verlag Scheidegger & Spiess über das Bauernsterben. Der Fotograf Tomas Wüthrich begleitete seine Eltern während ihres letzten Bauernjahres.

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Hof Nr. 4233 - Ein langer Abschied

Der Hof mit der amtlichen Betriebsnummer 4233 stand in Kerzers, am Rand des Grossen Mooses im freiburgischen Seeland. Er gehörte meinen Eltern Hans und Ruth Wüthrich. Fast dreissig Jahre lang hatten sie hier Milchwirtschaft und Ackerbau betrieben. Der Betrieb rentierte seit Jahren nicht mehr. Im April 2000 mussten sie ihren Hof schweren Herzens aufgegeben.

Ich habe sie damals während ihres letzten Bauernjahres mit der Kamera begleitet und nebst der täglichen Arbeit die entscheidenden Momente der Hofaufgabe festgehalten: die Unterschrift des Vertrages mit dem neuen Pächter, den Abtransport der Kühe, das letzte grosse Aufräumen im leeren Stall.

Die Fotos in diesem Buch sind vor zwanzig Jahren entstanden und haben dennoch nichts von ihrer Aktualität eingebüsst. Bis heute verschwinden in der Schweiz jeden Tag zwei Bauernbetriebe. 1905 gab es mehr als 240’000 Bauernhöfe in der Schweiz, heute sind es noch 50’000. Seit 1900 ist der Anteil der Bauern an der Bevölkerung von 31 Prozent auf 2,5 Prozent gesunken. Der Begriff «Bauernsterben» fehlt in sämtlichen offiziellen Verlautbarungen, man spricht lieber von Strukturwandel. Der Beruf des traditionellen Landwirts wird ersetzt durch Agrarunternehmer und Teilzeit-Landschaftsgärtner. Der Staat will eine wettbewerbsfähige Landwirtschaft und fördert Betriebe mit viel Land und grossen Maschinen. Gleichzeitig soll die Landwirtschaft ökologischer werden. Es ist schwer, darin keinen Widerspruch zu sehen. Fortschreitendes Artensterben, kontaminiertes Trinkwasser und verdichteter Boden zeigen, dass es in die falsche Richtung geht.

Das Buch

Das Buch «Hof Nr. 4233» erscheint im renommierten Zürcher Kunst- und Fotobuchverlag Scheidegger & Spiess in zwei Sprachversionen auf Deutsch und Französisch. Veröffentlicht wird es am 3.Februar 2021 anlässlich einer Fotoausstellung im Musée gruérien in Bulle.

Das Buch präsentiert auf 176 Seiten eine Auswahl von 73 Schwarz-Weiss-Fotografien in einer sorgfältig zusammengestellten Reihenfolge und wird, wie schon der 2019 erschienene Fotoband «Doomed Paradise - Die letzten Penan im Regenwald von Borneo», von Atlas Studio gestaltet.

Zwei Texte von namhaften Autoren ergänzen die Bilder:

Peter Pfrunder, Direktor der Schweizerischen Fotostiftung, nimmt in seinem Text «Ein Kuhschwanz als Geissel» eine fotohistorische Verortung der Arbeit vor: « Durch die Intensität seiner Bilder und die spürbare Nähe zum dargestellten Schicksal bricht der Autor aus dem engen Genre der «Bauernfotografie» aus. Die Geschichte, die Tomas Wüthrich präsentiert, schöpft ihre Kraft aus einer tiefen persönlichen Betroffenheit und wird gerade dadurch zu einem eindrucksvollen, in sich geschlossenen Werk.»

Der Text «Bauernopfer» des Journalisten Balz Theus wurde 2001 erstmals im MAGAZIN des Tages Anzeigers publiziert. Er beleuchtet den bäuerlichen Strukturwandel und lässt Hans und Ruth Wüthrich zu Wort kommen: «Uns haben sie gesagt: Lue, du bist nicht Eigentümer, auch wenn du selber Land hast. Du bist Verwalter. Du musst das Land weitergeben in der besten Verfassung. Die Nächsten wollen auch noch pflanzen. Die Nächsten wollen auch noch essen.»

Wir brauchen noch mindestens 10'000 Franken

Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage aufgrund von COVID-19 wurde die Publikation dieses Buches grosszügig unterstützt durch: OGG Bern, Bundesamt für Landwirtschaft, Kanton Freiburg, Gemeinde Kerzers, Kirchgemeinde Kerzers, Musée gruérien Bulle, Oertli-Stiftung, Verein Kultur Natur Deutschfreiburg.

Leider fehlen weitere 10’000 CHF um die Produktions - und Verlagskosten von über 40’000 CHF zu bezahlen. Meine unzähligen ehrenamtlichen Arbeitsstunden sind dabei nicht eingerechnet.

Um diesen Fehlbetrag zu stemmen bin ich auf eure Hilfe angewiesen!

Ich freue mich, wenn ihr das Buch auf diesem Weg vorbestellt. Ich habe einige spezielle Belohnungen vorbereitet und hoffe, dass sie euch gefallen.

Vielen Dank für eure Unterstützung!