Regenbogenfamilie-Kinderbuch

Es gibt keine Bilderbücher, in denen ganz selbstverständlich eine Regenbogenfamilie vorkommt – Kinder mit zwei Müttern zum Beispiel. Das wollen wir ändern! Denn...

Am Anfang war John...

Im Frühling 2013 kam mein Sohn John als neues Mitglied unserer Patchwork-Regenbogenfamilie zur Welt. Bereits vor seiner Geburt hielt ich als bildungsorientierte Mutter Ausschau nach Kinderbüchern zum Thema Regenbogenfamilie. Dabei stiess ich zwar auf Bücher, die erklären, wie Regenbogenfamilien entstehen oder aufzeigen, dass auch Regenbogenfamilien «ganz normal» sind. Was aber fehlte, waren Bücher, die nicht das Thema der Regenbogenfamilie in den Mittelpunkt stellen, sondern eine andere Geschichte erzählen, in der Kinder vorkommen, die in einer Regenbogenfamilie leben. Ratlos wandte ich mich an Jacky, eine befreundete Bilderbuch-Illustratorin, und hoffte, von ihr einen passenden Tipp zu erhalten. Sie erzählte mir, es gäbe da ein gemeinsames Buch-Projekt von ihr und einer Autorin namens Ina...

dann kamen Ina...

Ich schrieb diese Geschichte in einem Sommer, der schon eine Weile zurückliegt. Eine Buchhändlerin, die Politikwissenschaftlerin ist und sich nach Jahren der Arbeit für den Deutschen Bundestag ihren Lebenstraum von einer eigenen Kinderbuchhandlung mit Kaffeemaschine erfüllt hat, erzählte mir, dass es kaum Geschichten für Kinder mit gleichgeschlechtlichen Eltern gibt. Dann traf ich auf ein Frauenpaar, das sich entschlossen hatte, Eltern zu werden und diesen Entschluss in die Tat umsetzte. Louis und seine Mütter. Ich erlebte ausschnitthaft ihren Alltag mit seinen Freuden und Schwierigkeiten. Ich führte Gespräche, ich hörte zu, ich beobachtete. Ich las und las, Artikel in der ZEIT und im FREITAG, ich las in Studien der Bundesregierung, in Gegenstudien von Verbänden... Ich sass auf Spielplätzen und hütete Kinder aller Eltern zwischen zwei und sechs Jahren. Und dann entstand diese Geschichte, die eine von vielen Geschichten ist. Die Geschichte von Matti.

...und Jacky

Vor 2 Jahren kam eine Mail von einer Ina, die ich nicht kannte, die aber in einem Auto gefahren war mit einer Frau, die ich von früher kannte. Diese hat ihr meine Mailadresse gegeben, damit sie mich fragen kann, ob ich Lust und Zeit habe, Bilder für eine Geschichte von ihr zu zeichnen. Zu diesem Zeitpunkt machte ich grade eine Bücherpause, weil ich nach 80 Büchern genug hatte vom kleinen Format und lieber große Bilder malen wollte. Aber ich fand den Text so gut und wichtig, dass ich Ina bat, ein wenig Geduld zu haben. Inzwischen habe ich wieder Lust, Bücherbilder zu malen, und es kommt mir so vor, dass die Zeit überreif ist für ein solches Buch. Da ich schon mit vielen grossen Verlagen gearbeitet habe, fragte ich einige, ob sie das Buch auch wichtig fänden und es in ihr Programm aufnehmen wollten. Wie erwartet, traut sich keiner. Ich habe trotzdem schon angefangen zu zeichnen und würde gern weiter machen.

Eure Unterstützung hilft uns!

Nun haben wir auch einen Verlag gefunden. Der kwasi verlag war sofort begeistert. Er ist noch neu, ganz klein und lässt uns Künstlerinnen alle Freiheiten (www.kwasi-verlag.ch). Aber Bilderbücher sind teuer und schwer zu verkaufen. Deshalb brauchen wir ein Startkapital für dieses Buch: für die Druckkosten in einer deutschen Druckerei und die Honorare für Ina und Jacky. Die weiteren Verlagskosten sollen über den Buchverkauf hereinkommen. Wir freuen uns über alle, die uns helfen, ein schönes und wichtiges Buch zum Thema Regenbogenfamilie zu veröffentlichen! Natürlich warten schöne Belohnungen auf euch!

So beginnt der Text

Das bin ich, denkt Matti, als er in den Spiegel guckt. Das bin ich, und das ist mein Affe Alfred. Mama bringt Matti heute später in den Kindergarten. Deswegen steht er überhaupt noch vor dem großen Spiegel und hat keine Schuhe an. Es ist schön, dass Mama hin und her rennt und sich nicht um ihn kümmern kann. Mama hat immerzu zu tun.
Mutze hat genauso viel zu tun wie Mama, aber sie bewegt sich viel langsamer und so scheint es immer, als hätte sie viel mehr Zeit. Mutzes Stimme ist auch leiser, selbst wenn es ernst wird, und Mama sagt: Sie hat die Ruhe weg. Was heißt, sie hat die Ruhe weg? fragt Matti Mama. Ist die Ruhe dann weg? Nein, sagt Mama. Sie hat sie weg heißt, dass Mutze sich Zeit nimmt und Ruhe schafft, wo ich schon wieder hektisch werde. Das ist sehr schön, und ich beneide sie darum. 

 Matti überlegt, ob sich Mama nicht auch Zeit und Ruhe nehmen könnte. Mama sagt, das sei eine Gabe und sie könne sich nicht einfach umkrempeln. Mama hat auch eine Gabe, sie vergisst nämlich überhaupt nichts. Mattis Affe, ohne den er niemals aus dem Haus geht, ist in ihrer großen Tasche. Matti hat ihn vergessen, und das bedeutet, dass man nicht behaupten kann, er würde niemals ohne ihn aus dem Haus gehen. Matti ist erstens froh, dass Mama an Alfred gedacht hat, denn wie sollte er einen ganzen langen Kindergartentag ohne ihn überstehen, und zweitens ist er darüber froh, dass Mutze die Ruhe weg hat.