Der Schatz in Schwarz und Weiss – 100 Jahre Lehnert und Landrock

Das über 100 Jahre alte Fotoarchiv «Lehnert & Landrock» mit mehr als 6000 Bildern ist ein wahrer Schatz. Die Fotographien sind so berühmt, dass sie den Blick des Westens auf die arabische Welt präg(t)en. Ihre Geschichte ist so umfangreich, dass sich in ihr die von ganz Ägypten widerspiegelt. Was ist in nur 100 Jahren geschehen, dass diese kulturelle Institution sich verkleinern musste. Mit der anhaltenden Krise und dem Ausbleiben der Touristen kämpft das früher so erfolgreiche Schweizer Buch- und Fotogeschäft «Lehnert & Landrock» um den Erhalt seines Kulturerbes.

Wir wollen die Buchhandlung durch dieses eventuell letzes Jahr 2017 begleiten und ihre Geschichten und Bilder in einem Dokumentarfilm festhalten. Helft, die Augenblicke der Vergangenheit zu vergegenwärtigen, um somit einen anderen Blick auf die arabische Welt zu gewinnen!

Und das Beste: Durch eure Unterstützung für die Herstellung des Dokumentarfilms «Der Schatz in Schwarz und Weiss – 100 Jahre Lehnert und Landrock» bekommt ihr Gelegenheit, legendäre Abzüge der Original Glasplatten aus der Fotosammlung «Lehnert und Landrock» zu erstatten! Der Besitzer der Fotosammlung Lehnert & Landrock, Dr. Edouard Lambelet unterstützt das Filmprojekt. Die Bilder für das Crowdfunding werden von ihm zur Verfügung gestellt. «Mein grösster Wunsch ist es, dass die Tradition von Lehnert & Landrock in irgendeiner Form weiterlebt.»

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Der Künstler und der Businessman

Die Geschichte von Lehnert & Landrock beginnt im Jahre 1904. Der Fotograph R. Lehnert und der Geschäftsmann E. Landrock machen sich auf die Odyssee, das Bild des «Orients» zu suchen. «Mit deinen Bildern können wir ein Geschäft machen», meint Landrock zu Lehnert. Das Erfolgsrezept der beiden ist der Hunger des Westens nach Exotik, nach dem Märchenhaften, dem Geheimnisvollen. Während die Region heute als Herd für Unruhen gesehen wird, war sie früher Ort der Sehnsucht und der wirtschaftlichen Perspektiven. Die beiden gründen 1904 ein Fotoatelier in Tunis. Ihre inszenierten Fotographien, Akte, Portraits, aber auch Landschaftsbilder finden bald viele Liebhaber in Europa. Einige ihrer Bilder gehen um die ganze Welt. Sie prägen die Vorstellung des Westens vom authentischen Leben im Orient massgeblich. Ihre Motive landen sogar auf ägyptischen Banknoten.

Nach diversen Schwierigkeiten in Folge des 1. Weltkriegs lassen sich die beiden im liberalen Kairo nieder. Vor Ausbruch des 2. Weltkrieges übergibt Landrock 80% seiner Anteile an seinen Schweizer Stiefsohn Kurt Lambelet. Dies soll sich als kluger Schachzug erweisen. Während alle deutschen Geschäfte konfisziert werden, kann die Buchhandlung in den Händen eines Schweizers weiterhin bestehen. Nach dem Militärputsch im Jahre 1952 wird «Lehnert & Landrock» ein weiteres Mal auf die Probe gestellt. Die anfängliche Euphorie im Lande verfliegt schnell, denn die neue Regierung hat sich Nationalismus und Antiimperialismus auf die Fahne geschrieben. Sie verstaatlicht ein ausländisches Geschäft nach dem anderen. Auch «Lehnert und Landrock» steht auf der Liste. Als der Suezkanal 1956 verstaatlicht wird, damals noch immer in den Händen Grossbritanniens, kommt es zum Krieg. Der Angriff auf Ägypten verlagert die Prioritäten der Regierung. Die allgemeine Westenfeindlichkeit nimmt spürbar zu, die meisten Ausländer und Ausländerinnen verlassen das Land. Kurt Lambelet beschliesst, trotz aller Widrigkeiten zu bleiben.

Ein Schatz aus «Negativ» – Glasplatten

Das Ausharren von Kurt Lambelet in Kairo soll sich schon bald als lohnenswert erweisen. Sein Geschäft wird nicht verstaatlicht, im Gegenteil; er kann sogar eine neue Filiale im Ägyptischen Museum eröffnen. Nun muss auch sein Sohn Edouard Lambelet mitanpacken. Eines Tages macht dieser eine bedeutende Entdeckung. In verstaubten Kisten findet er unzählige Glasfotoplatten. «Was ist das ?», fragt er seinen Vater. «Das sind alte Fotos, die keiner mehr will.», antwortet sein Vater. Nach dem 2. Weltkrieg waren schwarz-weiss Fotos nämlich aus der Mode gekommen. Die Negativplatten waren in Kisten verstaut und schnell vergessen. Edouard Lambelet braucht lange, um die Platten zu identifizieren und zu sortieren.

Nun ist die Sammlung von «Lehnert & Landrock» aus ihrem Dornröschenschlaf wieder erwacht. In den Bildern spiegelt sich u.a. die Geschichte der arabischen Welt über eine Zeitspanne von über 100 Jahren. Doch während Ägypten früher Ort der tausend Möglichkeiten war, steckt das Land heute in einer schweren wirtschaftlichen und politischen Krise. Edouard Lambelet betrachtet die jüngsten Entwicklungen mit Trauer. Ägypten hat schon viele Kriege und Konflikte überstanden, doch unter den jetzigen Bedingungen sieht er nur wenig Perspektive. Er hofft jedoch, langfristig gesehen, auf Aufschwung, wie Ägypten es immer wieder im Laufe seiner Geschichte bewiesen hat.

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Poetische Augenblicke zum Herumstöbern

«Lehnert & Landrocks» legendäre Fotosammlung besteht aus poetisch komponierten Bildern: Beduinen, die mit ihren Kamelen in die Unendlichkeit der Wüste ziehen, sich in Wellen bis zum Horizont erstreckende Dünen, lange Schattenspiele in der untergehenden Wüstensonne. Oder begeistern Sie sich mehr für Portraitaufnahmen und das Leben und Arbeit der einfachen ägyptischen Bevölkerung? Oder möchten Sie lieber ungewohnte Ansichten der Pyramiden von Gizeh sehen? Jahrhundertalte Moscheen – wahre architektonische Meisterwerke, oder das bunte Treiben im modernen Kairo der 20er Jahre? Und nicht zuletzt subversive und fesselnde Aktaufnahmen?

Die zur Verfügung gestellten Abzüge der Original-Glasplatten sind in 5 Themenblöcke unterteilt. Wir bitten euch anzugeben, für welchen Themenbereich ihr euch interessiert.

  • Motive aus der Zeit der Pharaonen
  • Kairo der 20er Jahre
  • Wüste, Kamele und Nomaden
  • Menschen, Leben und Handwerk
  • Islamische Motive

Durch das Crowdfundig ermöglichen Sie, dass die Dreharbeiten sofort beginnen können. Die Zeit drängt, der Countdown läuft, das letzte Jahr «Lehnert und Landrock» ist bereits angebrochen.

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